Die letzten Tage in Kambodia

Gemacht hab ich nicht viel ausser lecker zu essen und nochmal den Markt zu besuchen. (Alle Geschenke fuer die Anne besorgt :)

Zeit fuer ein kurzes Resumee. Typisch Kambodia ist:

1. Busfahrten mit Karaokevideos in voller Lautstaerke (Nach 10h nervt das)

2. Maenner, die sich die Haare, die aus ihren Warzen im Gesicht wachsen, stehen lassen.  (Die laengsten vier Haerchen waren gut 6cm lang oO)

3. Highway Raststaetten, in denen Koerbe voller frittierter Taranteln verkauft werden.

4. Restaurants in der Hauptstadt, an denen Elefanten vorbeilaufen, wie in Indien die Kuehe.

5. Kleine Laeden an der Strassenecke, die selbst Paps Mp3 Collection alt aussehen lassen. (50Cent pro Album war mir aber einfach zu teuer und ausserdem kaufe ich keine Warez oO)

6. Eiskaffee mit “Sweetmilk”

7. Toyotas (Ausser ein paar Lexus habe ich kein Auto gesehen, was nicht von den Japanern gebaut wurde)

8. Angkor Wat (Der Tempel ist DAS Wahrzeichen des Landes. Es gibt Angkor Bier, Angkor Hotels, Zigaretten, Versicherungen… Und auf der Landesflagge ist er natuerlich auch zu sehen)

9. Mototaxis, auf die  man sich einfach hinten drauf setzt und hofft, heil an sein Ziel zu kommen (Es gibt zwar eine Helmpflicht in Kambodscha, aber die gilt nur fuer den Fahrer. Warum auch immer. Sinnlos irgendwie)

10. Volleyballtourniere um Geld. Funktioniert dann so, dass man Eintritt fuer das Spiel bezahlt und dann im Team versucht die Gegner zu besiegen, um diesen dann ihren Einsatz abzunehmen. (Mir wurde schon gesagt, dass ich nicht mitspielen duerfte, weil ich zu gross sei. Scheiss Angsthasen. Ich kann nicht mal Volleyball spielen…)

Posted 7 years, 10 months ago at 05:32.

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Vier Tage Reis

Morgens, mittags und abends nochmal. Der gleiche Ablauf drei Tage lang. Mein Appetit auf Reis ist erstmal gestillt. Leider ein größeres Problem hier  in Asien, wo es nur mit Aufwand unjd erheblichen Mehrkosten möglich ist, etwas anderes zum Essen zu finden.

Der Grund für meine Reiskur war ein viertägiger Aufenthalt in einem kleinen laotischen Dorf, ca. 40km von Banlung, der Provinzhaupt“stadt“, entfernt. Ein kurzer Auszug aus meinem Reistagebuch, als die ersten Erfahrungen noch frisch waren:

„Ich bin dort wo ich sein wollte, ohne vorher zu wissen, wo ich hin gehen will. Die nächste asphaltierte Straße ist ca. 50km entfernt. Die nächste Stromleitung und fließendes Wasser ca. 7km. Mitten im kambodschanischen Wald bin ich jetzt bei einer kleinen Familie mit Clara, einer französischen Grundschullehrerin und zwei Guides aus Banlung, beide ungefähr in meinem Alter. Sona, der ältere der beiden heiratet in zwei Wochen die jüngste Tochter des Familienoberhaupts und ist spontan zu uns gestoßen, als Jemmy, der immer lächelnde Junge, der mich hierhergeführt hat, ihm von unserem Trip erzählt hat. Die Szenerie hier ist unwirklich und das auf höchstem mir bekanntem Niveau. Die Siedlung beherbergt 50 Familien (in Köpfen wird hier nicht gezählt) und liegt mitten im Nichts, ca. 7km vom Fluss entfernt, den wir bei unserer Hinreise mit einem klapprigen Longtail-Boot überqueren mussten“

Die sieben Kilometer mussten wir beide Male laufen. Der Hinweg war jedoch um einiges beschwerlicher, da ich die Hälfte unseres Proviants für vier Tage in einem alten Reissack auf dem Rücken hatte und damit durch Bäche und schlammige Furchen laufen durfte.

„Wie die Menschen hier leben hat jedoch nichts von den mir aus Deutschland bekannten Dorfstrukturen. Vielmehr sind die auf zwei Meter langen Holzpflöcken gebauten Hütten scheinbar willkürlich in der Landschaft verteilt. Einige entlang den sandigen Trampelpfaden, die unzählig den Wald durchkreuzen, die meisten jedoch an einer Art Lichtung, die sich, folgt man ihren Ausläufern, in Reisfeldern, kleine Fischtümpeln und dem nahen Dschungel verläuft. Die Grundstücksgrößen variieren  von ca. 10m x 10m bis hin zu weitläufigen Arealen, die auf den ersten Blick wie wildes Waldland aussehen. Die meisten Hütten bestehen aus Holz, einige aus simplem Bambus und nur wenige haben Wellblechdächer. In den Hütten wird geschlafen. In der Regel auf dem Boden oder auf dünnen, selbstgebauten Bambusmatten. Privatsphäre scheint, so weit ich das beurteilen kann, Mangelware zu sein. Wir zumindest schliefen gestern zusammen mit der ganzen Familie in einem Raum. Gelebt wird unter der Hütte. Hängematten, einfache Sitzbänke und eine rechteckige, leicht erhöhte Plattform, auf der gegessen wir, stellen den Wohnbereich der Menschen dar. Strom und fließendes Wasser sind nicht vorhanden. Eine Autobatterie, eine Taschenlampe und unscheinbarer, aber verdammt gefährlicher, weil tiefer und ungesicherter Brunnen sind die Alternativen. Geduscht wird vor aller Augen mit Wasser aus dem Brunnen. Für Clara kein einfaches Unterfangen, da sie sich als Frau beim Waschen komplett bedecken muss. Etwas was Europäer schlicht nicht gewohnt sind.“

Während wir den ersten Tag dazu genutzt haben das Dorf zu erkunden und ein paar Fotos zu machen, sind wir am nächsten Tag zu einer kleinen Dschungelsafari aufgebrochen. Mit Proviant für den Tag ging es insgesamt 18km durch den Busch, wo uns unser Guide zu einem abgelegenen Wasserfall mitten im tiefsten Dickicht geführt hat. Auf halbem Weg haben wir ein paar Fischer aus dem Dorf getroffen, die mit einigen Dutzend Wasserschlangen aus den unzähligen Bächen des Dschungels auf dem Heimweg waren. Unser Guide hat bei der Gelegenheit gleich ein paar für unser Abendessen gekauft. Neben den gegrillten Schlangen (auf Reis -_-) war die Schlachtung einer der Hausenten der kulinarische Höhepunkt des Trips. Anstatt die Brust vorsichtig vom Fleisch zu trennen und mit etwas Gewürz anzubraten, wurde die komplette Ente mit einem groben Beil in Stücke gehackt  (Beine und Kopf inklusive) und zu einer Suppe verarbeiten, die dann schön mit Reis serviert wurde. Zum Glück fand unser Essen immer bei Kerzenlicht statt und man sah nie genau, was man sich auf den Teller holte…

Ich bin jetzt schon wieder in Phnom Penh und haben mir nach meiner zehnstündigen (oO) Busfahrt hier ein schönes Zimmer mit warmer Dusche und TV genommen und lasse den Abend jetzt mit Burger und Pommer auf typisch westliche Art ausklingen. Vielleicht gönne ich mir morgen zum Frühstück wieder etwas Reis…

Posted 7 years, 10 months ago at 15:38.

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Vom Inselleben zurück in die Großstadt

Nach fast zehn Tagen auf Koh Ru, einer kleinen Insel vor der Küste von Kambodscha, bin ich jetzt in der Hauptstadt Phnom Penh gelandet. Aus den geplanten drei Tagen wurden zehn und ich wäre fast noch länger geblieben, hätte mich mein schlechtes Gewissen nicht zum weiterreisen gebracht.

ie Insel besteht im Grunde aus zwei kleinen Stränden auf der Ost- und Westseite. Der Rest ist dichter Dschungel und nur ein kleiner Pfand führt durch ihn hindurch und verbindet die beiden Seiten der Insel miteinander. Auf jeder Seite gibt es ein Bungalowressort mit ca zehn Strandhütten. Spartanisch eingerichtet und nur mit einem alten Moskitonetz vor den unzähligen Krabbelviecher geschützt, habe ich auf jeder Seite ein paar Nächte verbracht. Dabei habe ich auch Kontakt mit der ersten größeren Spinne gemacht, die es sich netterweise in einer meiner Unterhosen bequem gemacht hat, die ich nach der Wäsche zum trocknen auf die Leine gehängt hatte. Zum Glück fand sich ein freundlicher Khmer, der das fast handtellergroße Vieh aus meinem Moskitonetz entfernt hat. oO

Der Unterschied zwischen Koh Ru und Phnom Penh könnte größer nicht sein. Während sich in der Stadt knapp 1.5 Millionen Menschen drängen, waren wir auf der Insel höchstens 40 Leute, was ausschlaggebend für die sehr entspannte Atmosphäre war. Man hatte immer die Wahl zwischen Einsamkeit und Gesellschaft, beides nur wenige Meter voneinander entfernt. Etwas, was ich bislang nur aus Goa kenne und jetzt schon wieder vermisse. Mein Tagesablauf war absolut abwechslungsarm und wurde nur durch die zwei oder drei Mahlzeiten am Tag etwas strukturiert. Schwimmen, lesen und absolut nichts tun, während man in einer Hängematte direkt am Wasser liegt. Nur die Gespräche mit den Leuten brachten etwas Abwechslung. Ich habe meine ersten Kanadier kennengelernt und feststellen müssen das Engländer – entgegen meiner bisherigen Meinung – doch nicht das verständlichere Englisch sprechen. Auch Deutsche aus Berlin und Bremen sowie ein sehr nettes Pärchen aus Österreich habe ich getroffen. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich Reisedauer und -geschwindigkeit der Leute unterscheiden und dabei auch gleichzeitig die Gesprächsthemen: Diejenigen, die nur wenige Wochen unterwegs waren, redeten äußerst ungerne über ihren Job zuhause und schwelgten lieber in Phantasien über eine längere Auszeit von Heim und Hof. Eine Irin hingegen, die auf der Insel ihr einjähriges Reisejubilläum gefeiert hat, war mit ihren Gedanken schon ganz bei ihrer geplanten Selbstständigkeit in Australien. Alle jedoch, die dem Ende ihrer Reisezeit entgegenblickten, waren voller Wehmut und ich kann mich rückblickend sehr glücklich schätzen, noch am Anfang meiner Reise zu stehen.

Phnom Penh gefällt mir bislang sehr gut. Die Stadt ist relativ übersichtlich und hat mit der breiten Flusspromenade und den vielen Parks und Bäumen noch viel von ihrem französischen Flair erhalten. Morgen reise ich ab und werde mich Richtung Norden, entlang des Mekong Flusses, in die abgelegeneren Regionen des Landes machen. Zwei Wochen bleiben mir noch bis zu meiner Abreise nach Bangkok. Ich hoffe, ich komme pünktlich wieder zurück =)

Posted 7 years, 10 months ago at 08:47.

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Tempel, Tempel, Tempel

Tempel, Tempel, Temple

Davon gibt es hier in Angkor Wat, dem ehemaligen Zentrum der khmerischen Hochkultur im 10. Jahrhundert einige. Seit drei Tagen bin ich jetzt in Kambodia und die Unterschiede zu Indien sind groß. Zum einen ist das Land wesentlich (!!!) kleiner und man kann beinahe alle Gebiete innerhalb eines Tages mit dem Bus erreichen. Der andere große Unterschied ist die Bevölkerungszahl. Nur knapp 16 Mio Menschen leben hier, 80% davon auf dem Land. Das lässt die zweitgrößte Stadt des Landes schon kleiner als Wiesbaden werden. Der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen und viele Gebiete sind noch völlig unerschlossen. Vor allem die Bergregionen im Nordosten, kurz vor der Grenze zu Laos sind mehr oder weniger Wildnis mit dichter Dschungelvegetation. Dorthin will ich mich aber erst später aufmachen. Für heute Abend ist eine Übernachfahrt an die Küste geplant. Ich brauche dringend ein paar Tage in absoluter Ruhe am Strand. Mit ein wenig Glück bekomme ich auf einer der kleineren Inseln vor der Küste einen Strandbungalow. Drei Tage ohne Strom direkt am Meer ist genau das, was ich jetzt brauche.

Die Tempel von Angkor sind ähnlich faszinierend, wie ich sie mir vorgestellt habe. Über 20km² erstrecken sich die unterschiedlich gut erhaltenen und restaurierten Tempelanlagen. Manche sind immer noch in dem Zustand, in dem die ersten Europäer sie entdeckt haben. Mit Bäumen, die die Steinwände langsam aufzufressen scheinen und Wurzeln, die sich durch den Boden bohren. Die großen Distanzen zwischen den Tempeln gestalten die Fortbewegung etwas schwierig, vor allem für meinen in Kambodia sowie schon geplagten Geldbeutel. Ein Tuk-Tuk kostet 15$ für einen Tag, der Eintritt 20$ und ein Liter Wasser (Von dem man bei 30°C Hitze verdammt viel braucht) nochmal 1$. Für heute habe ich mir ein klappriges Fahrrad gemietet. Mal sehen, wie sich die knapp 20km Fahrt hin und zurück gestalten.

Posted 7 years, 11 months ago at 06:43.

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Bangkok

Kurze Statumeldung aus meinem Guesthouse in Bangkok. Die Nacht war bescheiden und durch den Abflugzeitpunkt von 04.00AM entsprechend kurz. Bin aber doch gut angekommen und musste mit Erstaunen feststellen, wie sauber Asien sein kann: Strassen ohne Dreck (und leider auch ohne die sympathisch stoischen Kuehe), Guesthousetoiletten, die aussehen, wie frisch installiert (und kein Geruch im Bad, der einen vom Gegenteil ueberzeugen will). Leider sind die Preise auch ca. 40% hoeher, als ich es aus good old india gewohnt bin. Muss mich hier wohl richtig zurueckhalten…

Touristen ueberfuellen die ganze Stadt und irgendwie vermisse ich die entspannte Atmosphaere in Indien jetzt schon. Alkohol wird hier in jeder Bar gross beworben (etwas was ich aus Indien auch nicht kenne) was auf harte, laute Naechte schliessen laesst. Ich werde mir den Spas heute Abend mal ansehen. Mein Plan steht noch immer nicht final. Ich komme relativ entspannt nach Cambodia von hier aus. Brauche nicht mal ueber Nacht zu fahren. Mal sehen, wann ich losziehe. Wahrscheinlich aber morgen frueh….

Posted 7 years, 11 months ago at 08:15.

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Die letzte Station

Da mir nur noch fünf Tage bis zu meinen Abflug aus Delhi bleiben, stellt Pushkar, die kleine, heilige Stadt, in der wir uns gerade befinden, wohl meine vorerst letzte Indien-Station dar. Meinen Geburtstag haben wir in Agra verbracht, die beiden Nächte um meinen Geburtstag mal wieder in Bus und Bahn. Agra hat leider außer dem Taj und seinem weitläufigen Fort nur Dreck, Lärm und Touristenabzocker zu bieten, weshalb wir eine Nacht und damit auch zwangläufig einen zweiten Tag dort verhindern wollten. Das Taj Mahal haben wir uns gegen Abend zusammen mit geschätzten 5000 anderen Touristen angesehen. Und trotz dieses Umstandes und der Tatsache, dass man das Taj schon zigmal auf Bildern gesehen hat, war die Wirkung einzigartig. Die symmetrische Form macht es zu einer sprichwörtlichen Augenweide. Die Anziehungskraft bleibt von fast jedem Blickwinkel aus unverändert und nur sehr schwer kann man den Blick vom Taj abwenden und sich die nicht minder eindrucksvollen Moscheen anschauen, die links und rechts auf das Mausoleum blicken. Hier wurde der Symmetriegedanke aber vielleicht etwas zu weit getrieben, denn jede Mosche muss nach Mekka ausgerichtet sein, was den rechten Zwillingsbau zur reinen Zierde werden lässt. Wir haben uns dem allgemeinen Druck hingegeben und uns, wie fast 99% der Besucher auch, schön vor dem Taj stehend fotografiert. Für uns dienen die Bilder als Erinnerung. Um das Taj zu „erfahren“, muss man aber selbst hinfahren. Die zehn Euro Eintritt lohnen!

Pushkar ist ein sehr ruhiger Ort. Durch seine, wie auch immer geartete Heiligkeit, findet man (wenn man sich nicht all zu sehr anstrengt) weder Fleisch noch Alkohol. Um elf Uhr abends werden die nicht vorhandenen Bordsteine kollektiv hochgeklappt und zur selben Zeit auch die Beleuchtung in den zahlreichen Restaurants ausgeschaltet. Wir mussten bereits zwei Schachspiele deswegen beenden. Der Ort ist relativ stark touristisch geprägt. Das Nivea von Kajuraho – in dem man keinen Schritt auf der Straße ohne eine indische Begleitperson machen konnte – wird hier jedoch nicht erreicht. Trotzdem habe ich schon wieder fast fünf Euro für eine heilige Puja (Segnung am Wasser des jetzt leider fast ausgetrockneten Sees), eine dilettantische Hennazeichnung und eine CD mit traditioneller rajastanischer Musik ausgegeben. Letztere Investition hat sich aber gelohnt, wie wir vorgestern erfahren durften. Wir tun hier nicht viel, außer die Gegend mit unseren Rollern zu erkunden und jeden Tag fürstlich zu speisen. Gestern haben wir uns von einem israelischen Pärchen auf Backpacker-Hochzeitsreise in die Tiefen der israelischen Küche führen lassen. Eine wichtige Erkenntnis: Reisen lohnt allein fürs Essen schon. Bin in dieser Hinsicht schon sehr auf Thailand gespannt, denn Fleisch und Fisch sind hier in Indien doch eher selten. Entweder es gibt „pure-Veg“ oder ein trockenes Stück Chicken im Essen. Mir ist sehr nach Kuh und Schwein…

Posted 7 years, 11 months ago at 10:06.

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5 Tage Varanasi

Die bislang beste Erfahrung mit indischen Großstädten habe ich ohne Zweifel hier in Varanasi gemacht. Trotz der über 2 Millionen Menschen, die hier am Ganges leben, besitzt die Stadt ein fast schon kleinstädtiges Flair. Was genau die Faszination ausmacht, vermag ich nicht zu erklären. Selbst einhundert Seiten Beschreibung können fünf Sekunden eigenen Eindrucks nicht ersetzen. Was sofort ins Auge sticht, wenn der Blick erst ein wenig geschärft ist, sind die hinduistischen Tempel, die an fast jeder Ecke zu finden sind. Meist sehe diese aus wie kleine Hinterhöfe, die von Mauern oder Zäunen umgrenzt sind. Den einzigen Hinweis auf den religiösen Zweck liefern dann nur ein paar Zierblumen oder versteckte Statuen. Über 1000 Stück solcher Minitempel soll es in der Stadt geben. Die meisten davon in der Altstadt, inmitten des typisch indischen Mix von Straßenständen für Tee, Essen, Getränke, Paan , Seide und Süßigkeiten. Die Straßen hier sind eng verwinkelt, so klein, dass nur ein paar Motorräder sich durch die Menschen, Kühe und Hunde zu zwängen versuchen. Das Straßenbild erinnert mich irgendwie an das toskanischer Altstädte und ist zugleich doch völlig verschieden.

Die Religion ist nicht nur durch die Tempel im Stadtbild verwurzelt. Auch der Großteil der Menschen, die man hier zu Gesicht bekommt, besucht die Stadt aus religiösen Gründen. Ein Bad im heiligen Fluss und ein Besuch des goldenen Tempels, der von uns leider nicht betreten werden darf, sind Gründe für den Besuch der Stadt. Ein anderer ist der Tod. Alte Menschen kommen zu Hunderten, um hier in den unzähligen Hospizen auf den Tod zu warten. Stirbt man innerhalb der Stadtgrenzen, so darf man auf eine Verbrennung am heiligen Fluss hoffen. Der Hintergrund ist eine Art Reinigung der Seele. Durch das Feuer, welches aus heiligen Stätten an den Ghats kommt, wird der Mensch von seinen Sünden gereinigt und seiner Seele so der Weg ins Nirvana eröffnet. Für diesen Zweck kommen auch wohlhabender Inder von weit her in die Stadt. Sie bezahlen Unsummen für edles Holz, das für die Verbrennung verwendet wird. Holzhändler in den Gassen bieten Scheite für mehrere hundert Euro das Kilo an. Bei 350 Kilo, die für eine Einäscherung benötigt werden, kann man sich die Kosten vorstellen, die mit diesem Akt verbunden sind.

Unsere Abreise nach Agra haben wir um einen Tag nach hinten verlegt, da wir das Festival of Light, welches gestern gefeiert wurde, nicht verpassen wollten. Die ganze Stadt schien sich nach Sonnenuntergang an den Ghats zu versammeln. Die paar Bilder, die ich gemacht habe, können nur ansatzweise vermittelt, was dort abging. Die Verbrennungen jedoch wurden auch während der Feierlichkeiten nicht ausgesetzt. Die Menschen und die Musik, die überall aus uralt Lautsprechern plärrte, schien die Trauernden nicht abzuhalten…

Posted 7 years, 11 months ago at 09:59.

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Alt und heilig

Seit dem letzten Eintrag haben wir bereits dreimal das Zimmer und zweimal den Ort gewechselt. Nun sind wir in der heiligen Stadt Varanasi, einem 3 Millionen Moloch an den Ufern des Ganges. Die letzten Reisen verliefen beinahe ereignislos, nicht zuletzt auch, weil wir für unsere letzte Etappe nach Kajuraho den unbequemen Regierungs-Bus gegen ein Privattaxi eingetauscht haben.

Die Tempelstadt Kajuraho, die für ihre erotischen Tempelverzierungen bekannt ist, besuchten wir für drei Tage. Unser Eindruck war leider wenig positiv, da der Tourismus hier beinahe alle Natürlichkeit der Menschen und des Ortes hat verschwinden lassen. Neben den uns aus Goa und Hampi bekannten Annäherungsversuchen diverser Shop-Besitzer, lernten wir in Kajuraho noch andere Methoden kennen, den Touristen Geld aus der Tasche zu locken. Schon am ersten Tag lernten wir diverse Inder kennen, die uns scheinbar ohne Hintergedanken ansprachen und uns kennenlernen wollten. Mit zweien verbrachten wir sogar einen ganzen Abend mit Bier und lokal angebautem Gras. Doch hinter der freundlichen Fassade steckte – nicht nur bei diesen zwei – immer der Gedanke, Geld zu verdienen. So lud man uns scheinbar als Freundschaftsdienst zu einer Motorad-Tour durch die Gegend ein. Wir lehnten vorerst ab und erst später wurde klar, dass das Ganze nur eine Masche war, als wir das gleiche Angebot noch von vier weiteren Jungen bekamen. Auch ein harmloser Spaziergang ins nächste Dorf wurde gleich genutzt um uns netterweise in die lokale Schule zu führen, in der wir um Spenden für den Schulausbau gebeten wurden. All diese Beispiele allein, wären kein Grund Kajuraho in negativer Erinnerung zu behalten. Aber die Tatsache, dass jedes Gespräch, jeder Blick und leider auch jeder Tritt aus dem Hotel mit nervigen Angeboten und getarnten Verkaufsgesprächen verbunden war, lies uns die Abfahrt gestern morgen leichter fallen, als wir es sonst gewohnt waren.

Ich glaube der Hintergrund für unsere Erfahrung ist der krasse Kontrast zwischen Arm und Reich. Das Dorf an sich ist winzig und wir das halbe Jahr über mit Touristen überflutet, von denen Viele in den nahegelegenen fünf-Sterne-Hotels logieren. Das Geld ist demnach im Überfluss vorhanden und muss den Besitzern nur noch kreativ aus der Tasche gezogen werden. Auf genau das hat sich das Ganze Dorf folglich spezialisiert. Indien, wie wir es kennengelernt haben, ist irgendwo bei diesem Prozess verloren gegangen.

Heute Morgen sind wir mit dem Zug um fünf Uhr morgens in Varanasi angekommen. Die Nacht war kurz und auf den Stockbetten im Zug, die nicht nur mich an Gefängniszelle erinnert haben, relativ unruhig. Von Varanasi jedoch war ich bislang positiv überrascht. Ich hatte eigentlich ein versifftes Loch, wie das in Mumbai oder Hyderabat erwartet, die Tatsache aber, dass viele Straßen für Autos gesperrt sind, macht das Gedränge und die vielen Inder um einiges erträglicher. Unsere Ankunft pünktlich zum Sonnenaufgang über dem Ganges war perfekt getimed. Die Farben waren fantastisch und die Temperaturen noch unter 25 Grad. Ich hoffe, ich konnte ein wenig davon in meinen Bildern einfangen. Unsere ersten Leichenverbrennungen konnten wir auch schon „genießen“. Unser Hotel liegt dabei direkt an einem der unzähligen Ghats, den breiten Stufen runter zum Gangesufer, an dem die Gläubigen sich rituellen Waschungen unterziehen und die Menschen ihre Wäsche waschen. Praktischerweise direkt neben den Überresten der Verbrannten, die einfach ins Wasser geworfen werden. Wir sind uns noch unsicher, ob wir hier unsere Wäsche waschen lassen…

Posted 7 years, 11 months ago at 14:24.

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Im Kanha National Park

Von dort kommen wir gerade zurueck in unser kleines Dorf Baihar, wo wir in einer Hotel-Baustelle ein halbfertiges Zimmer bezogen haben. Eigentlich wollten wir naeher an den Park, aber die ganzen Jungel-Resorts und Forest-Lodges waren uns um eines zu teuer. So sind wir nun die einzigen Touristen, die sich in diesem verschlafenen Nest aufhalten und dementsprechend wurden wir auch empfangen. Aber nicht nur unsere Hautfarbe war Anlass fuer den Ansturm an Fragen und Beruehrungen der letzten Tage, sondern die Tatsache, dass wir es gleich am ersten Tag in mehrere Lokal-Zeitungen mit unseren Gesichtern geschaft haben. Doch von vorne:

Von Hampi aus ging es mit dem Bus nach Hyderabat – einer 4 Millionen Stadt in der Mitte Indiens (Schaut auch mal in den Routing-Bereich, dort habe ich versucht alles auf den neuesten Stand zu bringen). Wir hatten 14h Aufenthalt bevor es mit dem Zug weiter nach Nagpur in den Norden ging. Die Zeit nutzten wir fuer eine kleine (ungefuehrte) Sightseeingtour, den Besuch eines leckeren Restaurants und einen Besuch im IMEX-Kino (Fuer teure 2,8Euro) Die Bus und Zugfahrt verliefen ereingislos und wir kamen am naechsten Tag in Nagpur an. Von dort ging es spontan geplant mit mehreren kleineren Zuegen und Bussen zum Nationalpark, dessen riessige Ausmasse wir erst im Nachhinein begriffen haben. Eine Station war die kleine Stadt Balaghat, an deren Bahnhof wir mit unserem Gepaeck am spaeten Nachmittag ankamen. Wir mussten zum Busbahnhof, fanden aber nur Fahradrikschas, deren schwaechlich aussehende Fahrer wir nicht mit uns und unserem Gepaeck belasten konnten (Das waere fuer den armen Kerl brutale Schwerstarbeit geworden) Also lueden wir nur unsere Rucksaecke auf den Bock und liefen mit dem Fahrer gemeinsam zum Bus. Mitten in der Stadt wollte Mo die Rikscha spontan selbst fahren, was sich innerhalb kuerzester Zeit zu einer Attraktion entwickelte. Die Bewohner hatten wohl noch nie einen Auslaender sein Gepaeck selbst mit der Rikscha fahren sehen. Innerhalb von fuenf Minuten waren wir bereits von mehreren Fotohanys abgelichtet worden und kurze Zeit spaeter wurden wir von einem Fotografenteam umringt und zu einem Interview gebeten. So landeten wir schliesslich in der Zeitung (in einer sogar auf dem Frontcover =)

Der heutige Besuch des Nationalpark war nett, mehr aber auch nicht. Die unberuehrte Natur war sehr beeindruckend und die Fahrt mit unserem Jeep gegen Nachmittag auch endlich angenehm. Leider hatten wir die eisigen Temperaturen (8 Grad oder so {sic!}) in den Morgenstunden vergessen und waren mit unseren kurzen Sache im offenen Jeep hoffnungslos schlecht angezogen. So hart gefroren habe ich lange nicht mehr…
Leider sahen wir in den sechs Stunden relativ wenige Tiere. Einen Blick auf einen wildlebenden Tiger war uns aber doch vergoennt. Die Fuehrer hatten mit ihren Elefanten ein Weibchen aufgespuert und viele Touristen reihten sich mit ihren Jeeps an der Strasse auf, um nacheinander auf Elefanten in den Busch zu reiten, um das Weibchen schliesslich unter einem Baum, mitten im Gebuesch zu sehen. (Fotos kommen speater). Die groesse Attraktion waren die unzaehligen Baumspinnen, die sich im Park befanden. Die Viecher waren riessig und zum Glueck immer weit genug weg…

Bilder gibt es von all dem bei neachster Gelegenheit, wenn ich meinen Laptop wieder mal ins Netz komme. Bis bald von unserer naechsten Station, den Kamasutra-Tempeln in Khajuraho.

Posted 7 years, 12 months ago at 13:27.

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Nach Hampi und zurück

Drei Tage Hampi sind bereits wieder Vergangenheit und heute Abend werden wir weiter ziehen. Unser ursprünglicher Plan Srisalam, einer heiligen Stadt 400km von hier, zu bereisen mussten wir aufgeben, da das 600km Backtracking für ca. 2 Tage Aufenthalt bedeutet hätte. Nun reisen wir in einer Mammut-Aktion nach Nagpur, wofür wir wohl volle zwei Tage brauchen werden. Von dort geht es in einen kleinen Nationalpark und zu einer ehemaligen britischen Gebiergsgarnison, die durch ihre Tempelanlagen und Gärten bestechen soll.

Aber auch diesen Ort zu verlassen wir mir sehr schwer fallen. Hampi war vor ca. 500 Jahren ein religiöses Zentrum, in dessen Umgebung über 500.000 Menschen wohnten. Heute sind noch die Ruinen der weit verstreuten Kultstätten und Tempel vorhanden. Allein in der näheren Umgebung gibt es über 200, die den verschiedenen Reinkarnationen unterschiedlicher Hindi-Götter gewidmet sind. Das tolle hier sind aber nicht die Tempel – von denen die wenigsten intakt sind – sondern die unglaubliche Landschaft, in der selbige zu finden sind: Um den großen Fluss, den unser Guesthouse von der Hauptempelanlage trennt sind rießige Steinformationen zu finden, die in Millionen von Jahren durch Erosion in kleinere und größere Brocken zerfallen sind. All das inmitten von Bananen-Plantagen und Reisfeldern. Ich hoffe, die Bilder, die ich euch bei Gelegenheit zeigen kann, vermitteln euch einen Eindruck.

Unsere Unterkunft ist noch billiger als in Goa (unter einem Euro pro Person) und das Essen ähnlich gut. Wir haben auch schon nette Backpacker aus Irland, Wales und Norwegen getroffen und  mit ihnen eine größere Moped-Tour durch die Gegend gemacht. In die Nähe gibt es einen rießigen Stausee, in dem man perfekt schwimmen und so kurz der Hitze entkommen kann. Gestern erlebte ich neben dem typischen ultra-romantischen Sonnenuntergang (Where are you Honey?!?) auch noch einen beeindruckenden Sonnenaufgang auf einem die komplette Gegend überblickenden Berg, den wir morgens um halb sechs bestiegen sind.

Alles in allem geht es mir sehr gut bislang hier in Indien. Das Wetter ist noch etwas zu heiß und die Mentalität der Inder noch nicht ganz von mir verstanden, aber ich wurde bislang mit fast drei Wochen toller Eindrücken und Erfahrungen belohnt. Manchmal überkommt mich das Heimweh und die Sehnsucht nach dem Bekannten und Geliebten, aber das ist wohl normal…

Posted 8 years ago at 12:53.

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