Da wo der Pfeffer waechst (Teil Zwei)

Der nächste Tag sollte besser werden. Wir stiegen gegen fünf Uhr morgens aus unserem Zelt und stellten fest dass Adonis schon aufgestanden war. Wir bekamen süßen Kaffee und Cornflakes in warmer und ebenso süßer Milch. Äußerst gewöhnungsbedürftig in meinen Augen. Zum Glück sollte sich Adonis im Laufe des Treks noch als äußerst fähiger Koch herausstellen. Anders kann man es nicht nennen, denn um aus Lebensmitteln, die bei 38° tagelang auf einen Esel verschnürt durch die Gegend getragen werden, ein leckeres und schnelles Essen zu machen, ist nicht leicht in meinen Augen. Nach dem Frühstück liefen wir los.

Der Wald veränderte sich ständig. Mal lief man über schmale Trampelpfade mitten durch den Dschungel. Weiter als fünf Meter in den Wald hinein konnte man dann nicht sehen. Zu dicht war der Wuchs der Pflanzen. (Ich habe im Übrigen mehrere meiner ehemaligen Zimmerpflanzen in ihrer natürlichen Umwelt sehen können. Das lässt mich gerade an sie denken… Wie geht’s meinen Pflanzen eigentlich Paps?) Mal über die Überreste der alten Mayastraße, die in früheren Zeiten El Mirador mit Tintal verband. Von der Straße an sich waren zwar nur noch vereinzelte Steinbrocken zu sehen, aber durch die massive Steinbasis wuchsen auf ihr keine der größeren und dickeren Bäume. So konnte man das volle Ausmaß dieser antiken Autobahnen bewundern. Gute zwanzig Meter breit müssen sie gewesen sein und auch heute noch ziehen sie eine schnurgerade Linie zwischen mehrere der alten Städte und Tempel. Entlang der Straße sahen wir immer wieder größere Steinhaufen, die Adonis fachkundig als Häuser identifizieren konnte. Auch eine Art Tor haben wir passiert. Bzw. den riesigen Haufen Stein mitten auf der Straße. Hier wie überall sonst auch waren Furchen in die Überreste gegraben. Laut Adonis (und Wikipedia) sollen jährlich Mayazeugnisse, wie Vasen und Teller, im Wert von mehreren Millionen Euro aus dem Land geschafft werden. Wir konnten in El Mirador selbst ein paar Tongefäße in unseren Händen halten, die von den Wächtern an den Ausgrabungsstädten gefunden wurden. Keine Ahnung, was gerade die heute für einen Wert haben, aber dem Wert meiner Reisekasse sollten sie schon entsprochen haben.
Nach einer ausgedehnten Mittagspause (die alle zu einem Nickerchen nutzen) kamen wir nach sieben Stunden an den Ausläufern El Miradors an. Eine Stunde vor der eigentlichen Stadt fanden wir die erste Tempelruine, die vollständig vom Dschungel befreit worden war (Von ein paar Bäumen, deren Wurzeln sich in den Stein zu krallen schienen abgesehen). Adonis zeigte uns eine kleine Tür, die in den Bau führte. Stockfinster und in meiner Fantasie voller Spinnen und anderen ungemütlichen Dschungelbewohnern (Stichwort: Indyyyyyyyy!!!!) zeigte sich uns ein schmaler und viel zu tiefer Gang. Ich musste mich zwar nicht auf allen Vieren durchkrabbeln, aber an Stehen war auch nicht zu denken. Bewundernswert war jedoch die Konstruktion: Das ganze war ein uraltes Giebelgewölbe, das die Vegetation und die Jahre unbeschädigt überstanden hatte. Es führte tiefer unter die Anlage, aber mehr als eine enge Krabbelaktion, die in einem sehr kleinen Gang mündete, habe ich mir nicht antun können. Für die Saskia wäre das nichts gewesen. Überhaupt nichts =)

Nach dieser kleinen Exkursion und weiteren 45 Minuten kamen wir dann endlich in El Mirador an. Die Anlage an sich ist zwar monströs, aber durch den dichten Wald, der nur von vereinzelten Pfaden durchkreuzt wird, sah das Ganze anfangs sehr überschaubar aus. Wir bauten unser Zelt auf einer großen Lichtung auf, die auch als Hubschrauberlandeplatz gebraucht wird. In der Nähe waren ein paar größere Hütten zu sehen, die von den drei Wächtern und den bis zu 40 Archäologen, die hier im Mai für vier Monate mit Unmengen an Eseln und Helfern anrücken, benutzt werden. Außerdem eine riesige Stahlkonstruktion, die sich sogar fast über den Bäumen etwas von unserem Zelt entfernt erhob. Sie diente dem Schutz einer Ausgrabungsstätte vor dem Regen, der den ganzen Wald für wenige Monate im Jahr in ein schlammiges moskitoverseuchtes Etwas verwandelt. In genau dieser Zeit jedoch allein ist Leben und Arbeiten für größere Menschenmengen möglich. Den Rest des Jahres ist so wenig Wasser vorhanden, das eine durchgängige Eselkette die 50 Kilometer nach Carmelita nötig wäre, um genügen Wasser vorzuhalten.

Nach einem leckeren Essen bestiegen wir El Tigre. Die Pyramide muss damals massiv gewesen sein, zu mindestens ließ die Größe des Geröllhaufens darauf schließen. Auf der obersten Plattform konnte man sogar noch gut die Struktur der drei kleinen Bauten erkennen, die hier einst den Maya dazu dienten astrologischen Beobachtungen durchzuführen. Der Blick war fast identisch mit dem, was wir schon in Tintal erleben durften. Nichts als Wald, wohin man blickte. Und doch war ein Unterschied auszumachen. Wenn man genau hinschaute, sah man überall kleine Erhebungen im Wald vor uns. Das waren andere Tempel der Stadt und des damaligen Umlands. Auch die Flächen, die von den Maya zum Maisanbau verwendet wurden, konnte man deutlich ausmachen. Hier waren die Bäume wesentlich kleiner und das Ganze erinnerte schon fast an eine Steppe.
Nach einer sehr verdienten Dusche mit Regenwasser, das man extra den Wächtern abkaufen musste, servierte Adonis uns Té Pimienta. Das war heißer Tee aus den jungen Blättern des Pfefferbaumes, der leicht gesüßt unglaublich lecker schmeckte (Die Anne hat auch gleich versucht Blätter mitzunehmen. Aber wenn man sie nicht anständig trocknet, verfaulen die dann doch recht schnell) Um unseren Wasservorrat zu sparen, tranken wir den ganzen nächsten Tag nichts anderes. Wir starteten den Tag wieder einmal sehr früh und erkundeten einen Teil der Ausgabungsstätten, wo wir beeindruckende Basisreliefs und weitere Tempel sahen. Bis auf den Danta Komplex, den wir gegen Nachmittag besteigen sollten, war alles noch „work in progress“, d.h. so wie es die Archäologen im letzten Jahr hinterlassen hatten. Schwer zu beschreiben, aber ich fühlte mich wie in einer Folge der legendären Reihe Terra-X. Überall waren Planen gespannt, um die Formationen vor dem Regen zu schützen und beschriftete Säcke mit Steinfragmenten lagen säuberlich aufgereiht auf groben Tischplatten. Auch Tiere sahen wir einige. Allen voran große pavos (eine Art Truthahn-Pfau-Mischung) die sich in der Paarungszeit zu befinden schienen. Auch monos aranjas (Spinnenaffen) die in den Bäumen über uns wohnten und nur an ihrem Schwanz hängend auf uns herabblickten. Außerdem fing Adonis einen Skorpion für uns ein (siehe Bild) und auf dem Weg zurück sollten zwei Schlangen unseren Weg kreuzen.

Wir gingen am nächsten Morgen den Weg zurück, den wir die ersten zwei Tage schon kennenlernen durften. Im Grunde wiederholte sich alles noch einmal und gerade der vierte Tag war wieder sehr anstrengend. Nach einer letzten Nacht und weiteren 5h kamen wir dann wieder in Carmelita an, gaben die Esel zurück und warteten auf den Bus. Die Fahrt sollte 4h dauern, da zuerst einem liegen gebliebenen Pick-Up wieder auf die Beine geholfen wurde und später ein halbstündiges Rangiermanöver mit einem Sattelschlepper anstand. Irgendwann aber kamen wir an und freuten uns schon auf ein anständiges Bett und ein paar Tage Relaxation.

Beides sollten wir dann auch erhalten und rückblickend war der Trip sein Geld und seinen Schweiß mehr als wert. Heute sind wir schon wieder ganz wo anders. In Honduras und kurz vor unserem nächsten Trip nach Nicaragua. Die nächsten Tage werden wir ohne Internet auskommen müssen, da uns der Weg über die Nordküste von Honduras in abgelegenes Gebiet führt. Aber auch das werden wir überleben. Bin ganz sicher =)

Posted in Mittelamerika 7 years, 1 month ago at 18:13.

1 comment

One Reply

  1. Hallo Anne und Alex,
    schöne Fotos, wie immer. Übrigens falls Du einen Setzling von einer Fingeraralie mitbringen würdest wäre das keine schlechte Idee. Die übrigen Pfleglinge haben das Fehlen des Herrchens besser überstanden. Wir sind zur >Zeit am Bodensse. Die überwiegende Farbe ist z.Zt. GRAU.

    Daggi und Paps


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