Halbzeitanalyse

Vor knapp sechs Monaten bin ich von Frankfurt aus gestartet und nach einigen sehr unterschiedlichen Abschnitten mit verschiedenen Reisepartner/-innen bin ich jetzt in Guatemala und blicke auf die zweite Hälfte meiner Reise. Noch liegt einiges vor mir und doch auch schon einiges hinter mir. Um die Sache mal nicht mit Worten breitzutreten hier eine Halbzeitanalyse der anderen Art.

Der Schiri hat mal wieder nachspielen lassen und schon mehr als die vorgegebenen 45 Minuten sind bereits verstrichen. Die Mannschaften verziehen sich in die Katakomben, wo für 15 Minuten innegehalten und das Geschehene reflektiert wird. Es ist jetzt am Assistenten die Mannschaft für die nächste Halbzeit zu motivieren. (Und ein paar Moralpunkte an den Torhüter zu verteilen, der mal wieder zu oft kläglich versagt hat – wir sollten nochmal darüber nachdenken unsere 17 Jährigen Talente aus der Jugendmannschaft in der Liga auflaufen zu lassen) Da der Kerl nicht besonders gut mit Worten umgehen kann, beschränkt sich seine Analyse auf nackte Zahlen und unerotische Statistiken:

- 193 Tage
- 2 Kontinente
- 8 Länder
- 7 Hauptstädte
- 6 Inseln
- 8 Flüge
- 4x Selbstgekochtes Essen
- 0 Friseurbesuche
(Das wird auch noch den Rest der Reise durchgezogen)
- 140 GB neuer Musik
- Ca. 1.800 Fotos
(bereits aussortiert)
- 3 verschiedene Reisepartner
- Unzählige tolle neue Menschen darunter:

2 Holländer, 7 Deutsche, 2 Irinnen, 2 Ukrainerinnen, 3 Norwegerinnen, 2 Schweden, 3 Engländer, 1 Amerikanerin, 1 Kambodschaner, 1 Französin
- Viiiiiiele Tiere darunter:
Schlangen, Spinnen, Tiger, Fledermäuse, Glühwürmchen, Riesenwarane, Gazellen, Affen, Schafe, Kühe, Schmetterlinge, Ameisen, Ziegen, Pferde, Elefanten, Kamele, Büffel, Fische (die Anne hat ne vollständige Liste, für deren Anfertigung ich nach unseren Tauchgängen immer zu faul war), Katzen, Hunde, Ratten, Kakerlaken, Zirkaden, Geckos, Tausendfüßler, eine Zibetkatze, Pelikane, Schwäne, und ne Menge anderer Vögel deren Namen ich nicht mehr weiß.
- Gute und schlechte Biersorten, darunter:
BeerLao, Chang, Singha, Cabro, Gallo, Kingfisher, Angor, Tiger, Bintang, Ankor, San Miguel, Jaz
- Ein paar verzweifelte Versuche anständigen Wein zu finden (die alle scheiterten – besonders in Indien: BAH)
- Unzählige Reisen in:
Bussen, Taxis, Minivans, Zügen, Tuk-Tuks, Auto-Rickshaws, eine denkwürdige Fahrt auf einer Fahrrad-Rickshaw, Fähren, Wassertaxis, Fischerbooten, Mopeds (mit und ohne Gangschaltung), alten amerikanischen Schulbussen, Fahrrädern, Katamaranen, Elefanten und einem Wasserbüffel
- Äußerst leckeres Essen, darunter:
Indische Currys, Dal, Nan, Rotis, Chapatis, Parathas, Samosas (zum Frühstück arg gewöhnungsbedürftig =) Gelbe-, Grüne- und Rote Thaicurrys, Sticky Reis mit Mango, Nasi Goreng, Mie Goreng, Sandwiches (des Grauens in Laos), Schlange, Baracuda, Sweet Lip Fish, Blue Marlin, Tacos, Nachos, Tortillas mit allem Möglichen (Avocado, Bohnenmuß oder auch mal mit Nudeln)

- Ausgaben während der Reise:
Ca. 4000€ davon entfielen (basierend auf meinen Finanzstatistiken der letzten 48 Tage, die sich aber noch keiner statistischen Relevanz erfreuen kann)
- 36% (1.447€) auf Essen und Trinken. Davon 19% auf Alkohol (266€), 18% auf Getränke (260€) und 64% auf Essen (921€)
- 9% (358€) auf Transportausgaben. Davon 42% auf Busfahrten (151€), 28% auf Fährfahrten (101€), 15,5% auf Taxifahrten (55,8€) und 14% auf Zugfahrten (50€)
- 16,2% (648€) auf die Unterkunft
- 37,2% (1.488€) auf sonstige Ausgaben. Darunter Zigaretten mit 8,2% (119€), Wäschekosten mit 1,6% (24€) und 75% (1.116€) auf Kosten für Eintritte, Gebühren etc. Der Wert wird natürlich durch unseren Sprachkurs die letzten vier Wochen etwas verzerrt. Mal sehen, was sich da bis zum Ende noch so tut.
- Bester Kauf: Mein neuer IPod
- Schlechtester Kauf: Eine türkisfarbene Alibaba-Hose aus Indien. Das Teil war schon beim Kauf versifft und mehr kaputt als ganz. Und ausgehsehen hat das Ganze auch nichts. Ergo: Nie getragen und nach 1 Woche weggeworfen.(Kaufpreis lag aber auch bei unter einem Euro =)
- Verrücktestes Fernsehprogramm: Indien (Man muss es gesehen haben. Aber stundenlanges Gebrabbel (oder Gebete) von indischen Gurus im Fernsehen ohne Unterbrechung zu senden grenzt schon an Körperverletzung)

Die Spieler schauen nach dieser doch sehr theoretischen Halbzeitansprache etwas verdutzt. Der Torhüter wird ausgewechselt und die Taktik komplett auf SIEG umgestellt. (vier Stürmer, keiner im Tor) Die Mannschaft begibt sich nichtsdestotrotz wieder aufs Spielfeld und der Assistent schaut zufrieden. Nur der Trainer fragt sich, was seinen Assi da gerade geritten hat. Von was zur Hölle hat der Kerl da gerade gesprochen?

Posted in Mittelamerika 7 years, 6 months ago at 00:09.

3 comments

3 Replies

  1. Tobinho Apr 5th 2010

    So muss das sein, mehr Geld für Alkohol ausgegeben als für normale Getränke! Go for it!

  2. mOjulah Singapura Apr 9th 2010

    Geil, wenn der Break-Even-Point trotz recht hoher monetärer Gesamtausgaben mit dem Erwerb des ersten Tickets für die Weltreise gleich der Time-to-market ist. Sind nach der Rückkehr die Ressourcen erschöpft, nehme man einen dicken Stempel und klatsche rot-leuchtend “Time-Cost-Tradeoff successful” darauf! Rock on and take care!

  3. stebbo Apr 9th 2010

    Vier Stürmer und keiner im Tor — was fürn Reisemotto!! Go for gold, Göbi!!


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