Vier Tage Reis

Morgens, mittags und abends nochmal. Der gleiche Ablauf drei Tage lang. Mein Appetit auf Reis ist erstmal gestillt. Leider ein größeres Problem hier  in Asien, wo es nur mit Aufwand unjd erheblichen Mehrkosten möglich ist, etwas anderes zum Essen zu finden.

Der Grund für meine Reiskur war ein viertägiger Aufenthalt in einem kleinen laotischen Dorf, ca. 40km von Banlung, der Provinzhaupt“stadt“, entfernt. Ein kurzer Auszug aus meinem Reistagebuch, als die ersten Erfahrungen noch frisch waren:

„Ich bin dort wo ich sein wollte, ohne vorher zu wissen, wo ich hin gehen will. Die nächste asphaltierte Straße ist ca. 50km entfernt. Die nächste Stromleitung und fließendes Wasser ca. 7km. Mitten im kambodschanischen Wald bin ich jetzt bei einer kleinen Familie mit Clara, einer französischen Grundschullehrerin und zwei Guides aus Banlung, beide ungefähr in meinem Alter. Sona, der ältere der beiden heiratet in zwei Wochen die jüngste Tochter des Familienoberhaupts und ist spontan zu uns gestoßen, als Jemmy, der immer lächelnde Junge, der mich hierhergeführt hat, ihm von unserem Trip erzählt hat. Die Szenerie hier ist unwirklich und das auf höchstem mir bekanntem Niveau. Die Siedlung beherbergt 50 Familien (in Köpfen wird hier nicht gezählt) und liegt mitten im Nichts, ca. 7km vom Fluss entfernt, den wir bei unserer Hinreise mit einem klapprigen Longtail-Boot überqueren mussten“

Die sieben Kilometer mussten wir beide Male laufen. Der Hinweg war jedoch um einiges beschwerlicher, da ich die Hälfte unseres Proviants für vier Tage in einem alten Reissack auf dem Rücken hatte und damit durch Bäche und schlammige Furchen laufen durfte.

„Wie die Menschen hier leben hat jedoch nichts von den mir aus Deutschland bekannten Dorfstrukturen. Vielmehr sind die auf zwei Meter langen Holzpflöcken gebauten Hütten scheinbar willkürlich in der Landschaft verteilt. Einige entlang den sandigen Trampelpfaden, die unzählig den Wald durchkreuzen, die meisten jedoch an einer Art Lichtung, die sich, folgt man ihren Ausläufern, in Reisfeldern, kleine Fischtümpeln und dem nahen Dschungel verläuft. Die Grundstücksgrößen variieren  von ca. 10m x 10m bis hin zu weitläufigen Arealen, die auf den ersten Blick wie wildes Waldland aussehen. Die meisten Hütten bestehen aus Holz, einige aus simplem Bambus und nur wenige haben Wellblechdächer. In den Hütten wird geschlafen. In der Regel auf dem Boden oder auf dünnen, selbstgebauten Bambusmatten. Privatsphäre scheint, so weit ich das beurteilen kann, Mangelware zu sein. Wir zumindest schliefen gestern zusammen mit der ganzen Familie in einem Raum. Gelebt wird unter der Hütte. Hängematten, einfache Sitzbänke und eine rechteckige, leicht erhöhte Plattform, auf der gegessen wir, stellen den Wohnbereich der Menschen dar. Strom und fließendes Wasser sind nicht vorhanden. Eine Autobatterie, eine Taschenlampe und unscheinbarer, aber verdammt gefährlicher, weil tiefer und ungesicherter Brunnen sind die Alternativen. Geduscht wird vor aller Augen mit Wasser aus dem Brunnen. Für Clara kein einfaches Unterfangen, da sie sich als Frau beim Waschen komplett bedecken muss. Etwas was Europäer schlicht nicht gewohnt sind.“

Während wir den ersten Tag dazu genutzt haben das Dorf zu erkunden und ein paar Fotos zu machen, sind wir am nächsten Tag zu einer kleinen Dschungelsafari aufgebrochen. Mit Proviant für den Tag ging es insgesamt 18km durch den Busch, wo uns unser Guide zu einem abgelegenen Wasserfall mitten im tiefsten Dickicht geführt hat. Auf halbem Weg haben wir ein paar Fischer aus dem Dorf getroffen, die mit einigen Dutzend Wasserschlangen aus den unzähligen Bächen des Dschungels auf dem Heimweg waren. Unser Guide hat bei der Gelegenheit gleich ein paar für unser Abendessen gekauft. Neben den gegrillten Schlangen (auf Reis -_-) war die Schlachtung einer der Hausenten der kulinarische Höhepunkt des Trips. Anstatt die Brust vorsichtig vom Fleisch zu trennen und mit etwas Gewürz anzubraten, wurde die komplette Ente mit einem groben Beil in Stücke gehackt  (Beine und Kopf inklusive) und zu einer Suppe verarbeiten, die dann schön mit Reis serviert wurde. Zum Glück fand unser Essen immer bei Kerzenlicht statt und man sah nie genau, was man sich auf den Teller holte…

Ich bin jetzt schon wieder in Phnom Penh und haben mir nach meiner zehnstündigen (oO) Busfahrt hier ein schönes Zimmer mit warmer Dusche und TV genommen und lasse den Abend jetzt mit Burger und Pommer auf typisch westliche Art ausklingen. Vielleicht gönne ich mir morgen zum Frühstück wieder etwas Reis…

Posted in SOA 7 years, 8 months ago at 15:38.

2 comments

2 Replies

  1. Hallo Sohnemann
    so ähnlich erging es mir, als ich mitten in der Nacht in dem kleinen Dorf von Carmelita gelandet bin.(10 und mehr Hunde sprangen bellend um uns herum, und ich ohne Emmaerfahrungen) Für mich sind meine Erlebnisse auf den Philippinen noch immer präsent, zumindest manche. Übrigens: Das mit den Philippinen ginge noch immer!. Schön, dass Du so direkte Erfahrungen machst. Denke oft an dich und schaue jeden Tag nach.
    Pass auf dich auf und Gruß von Daggi

    Papa

  2. Titatobitheisen Dez 11th 2009

    naaa!
    die bilder sind ja mal wieder weltklasse!!! hammer.
    vermiss dich!
    gruß


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