Vom Inselleben zurück in die Großstadt

Nach fast zehn Tagen auf Koh Ru, einer kleinen Insel vor der Küste von Kambodscha, bin ich jetzt in der Hauptstadt Phnom Penh gelandet. Aus den geplanten drei Tagen wurden zehn und ich wäre fast noch länger geblieben, hätte mich mein schlechtes Gewissen nicht zum weiterreisen gebracht.

ie Insel besteht im Grunde aus zwei kleinen Stränden auf der Ost- und Westseite. Der Rest ist dichter Dschungel und nur ein kleiner Pfand führt durch ihn hindurch und verbindet die beiden Seiten der Insel miteinander. Auf jeder Seite gibt es ein Bungalowressort mit ca zehn Strandhütten. Spartanisch eingerichtet und nur mit einem alten Moskitonetz vor den unzähligen Krabbelviecher geschützt, habe ich auf jeder Seite ein paar Nächte verbracht. Dabei habe ich auch Kontakt mit der ersten größeren Spinne gemacht, die es sich netterweise in einer meiner Unterhosen bequem gemacht hat, die ich nach der Wäsche zum trocknen auf die Leine gehängt hatte. Zum Glück fand sich ein freundlicher Khmer, der das fast handtellergroße Vieh aus meinem Moskitonetz entfernt hat. oO

Der Unterschied zwischen Koh Ru und Phnom Penh könnte größer nicht sein. Während sich in der Stadt knapp 1.5 Millionen Menschen drängen, waren wir auf der Insel höchstens 40 Leute, was ausschlaggebend für die sehr entspannte Atmosphäre war. Man hatte immer die Wahl zwischen Einsamkeit und Gesellschaft, beides nur wenige Meter voneinander entfernt. Etwas, was ich bislang nur aus Goa kenne und jetzt schon wieder vermisse. Mein Tagesablauf war absolut abwechslungsarm und wurde nur durch die zwei oder drei Mahlzeiten am Tag etwas strukturiert. Schwimmen, lesen und absolut nichts tun, während man in einer Hängematte direkt am Wasser liegt. Nur die Gespräche mit den Leuten brachten etwas Abwechslung. Ich habe meine ersten Kanadier kennengelernt und feststellen müssen das Engländer – entgegen meiner bisherigen Meinung – doch nicht das verständlichere Englisch sprechen. Auch Deutsche aus Berlin und Bremen sowie ein sehr nettes Pärchen aus Österreich habe ich getroffen. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich Reisedauer und -geschwindigkeit der Leute unterscheiden und dabei auch gleichzeitig die Gesprächsthemen: Diejenigen, die nur wenige Wochen unterwegs waren, redeten äußerst ungerne über ihren Job zuhause und schwelgten lieber in Phantasien über eine längere Auszeit von Heim und Hof. Eine Irin hingegen, die auf der Insel ihr einjähriges Reisejubilläum gefeiert hat, war mit ihren Gedanken schon ganz bei ihrer geplanten Selbstständigkeit in Australien. Alle jedoch, die dem Ende ihrer Reisezeit entgegenblickten, waren voller Wehmut und ich kann mich rückblickend sehr glücklich schätzen, noch am Anfang meiner Reise zu stehen.

Phnom Penh gefällt mir bislang sehr gut. Die Stadt ist relativ übersichtlich und hat mit der breiten Flusspromenade und den vielen Parks und Bäumen noch viel von ihrem französischen Flair erhalten. Morgen reise ich ab und werde mich Richtung Norden, entlang des Mekong Flusses, in die abgelegeneren Regionen des Landes machen. Zwei Wochen bleiben mir noch bis zu meiner Abreise nach Bangkok. Ich hoffe, ich komme pünktlich wieder zurück =)

Posted in SOA 7 years, 10 months ago at 08:47.

6 comments

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6 Replies

  1. Ähhnn Dez 1st 2009

    Traumhaft schön!

  2. stebbo Dez 1st 2009

    omg…das hat schon was von garten eden, oder? verspuere eine merkwuerdige mischung aus freude fuer dich und unterschwelligem neid;-) hier in london is letzte woche schon mein erstes trimester zuende gegangen…total verrueckt…
    drueck dich
    ste

  3. stebbo Dez 3rd 2009

    was isn das eigentlich fuern komisches vieh am strand? schaaf? kuh? pferd? oder sone mischung aus allem?

  4. Das ist Rambo die Inselziege. Das Vieh hat ihrem Namen alle Ehre gemacht. Bis ich es so vor der Linse hatte, musste ich mich erstmal mit ihm anlegen. Zum Glueck hatte er keine Hoerner. Die haetten die Sache gefaehrlich gemacht =)

  5. Ach, Koh Ru!

    Bin gestern nach 42 Stunden, 30 Grad Temperaturunterschied und einem Arbeitstag im Büro dann zuhause angekommen. Jetzt brauche ich erst recht meine Erinnerungen an die einmalige Zeit auf der kleinen Insel. Vorhin ist aus meinen Klamotten das Schneckenhaus, das ich bei unserer Wir-lassen-die-Taschenlampe-im-dunklen-Dschungel-aus-Tour gefunden habe. Hach.

    War noch eine Woche auf Rabbit Island (Ko Tunsay), was äußerst skurril und schön war. So war ich dann zweimal innerhalb kürzester Zeit traurig, eine Insel verlassen zu müssen.

    Haben Michael dann noch in Phnom Penh getroffen – er hat uns mit seinem Roller gesucht und doch dann tatsächlich auch gefunden. In dieser Stadt!

    Leider haben wir uns ja verpasst. Aber keine Welttour ohne Berlin:
    Also auf bald. Freu mich auf die weiteren Reiseberichte.

  6. Schoenen Nikolaustag euch allen! (bei 36 Grad :p)


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