5 Tage Varanasi

Die bislang beste Erfahrung mit indischen Großstädten habe ich ohne Zweifel hier in Varanasi gemacht. Trotz der über 2 Millionen Menschen, die hier am Ganges leben, besitzt die Stadt ein fast schon kleinstädtiges Flair. Was genau die Faszination ausmacht, vermag ich nicht zu erklären. Selbst einhundert Seiten Beschreibung können fünf Sekunden eigenen Eindrucks nicht ersetzen. Was sofort ins Auge sticht, wenn der Blick erst ein wenig geschärft ist, sind die hinduistischen Tempel, die an fast jeder Ecke zu finden sind. Meist sehe diese aus wie kleine Hinterhöfe, die von Mauern oder Zäunen umgrenzt sind. Den einzigen Hinweis auf den religiösen Zweck liefern dann nur ein paar Zierblumen oder versteckte Statuen. Über 1000 Stück solcher Minitempel soll es in der Stadt geben. Die meisten davon in der Altstadt, inmitten des typisch indischen Mix von Straßenständen für Tee, Essen, Getränke, Paan , Seide und Süßigkeiten. Die Straßen hier sind eng verwinkelt, so klein, dass nur ein paar Motorräder sich durch die Menschen, Kühe und Hunde zu zwängen versuchen. Das Straßenbild erinnert mich irgendwie an das toskanischer Altstädte und ist zugleich doch völlig verschieden.

Die Religion ist nicht nur durch die Tempel im Stadtbild verwurzelt. Auch der Großteil der Menschen, die man hier zu Gesicht bekommt, besucht die Stadt aus religiösen Gründen. Ein Bad im heiligen Fluss und ein Besuch des goldenen Tempels, der von uns leider nicht betreten werden darf, sind Gründe für den Besuch der Stadt. Ein anderer ist der Tod. Alte Menschen kommen zu Hunderten, um hier in den unzähligen Hospizen auf den Tod zu warten. Stirbt man innerhalb der Stadtgrenzen, so darf man auf eine Verbrennung am heiligen Fluss hoffen. Der Hintergrund ist eine Art Reinigung der Seele. Durch das Feuer, welches aus heiligen Stätten an den Ghats kommt, wird der Mensch von seinen Sünden gereinigt und seiner Seele so der Weg ins Nirvana eröffnet. Für diesen Zweck kommen auch wohlhabender Inder von weit her in die Stadt. Sie bezahlen Unsummen für edles Holz, das für die Verbrennung verwendet wird. Holzhändler in den Gassen bieten Scheite für mehrere hundert Euro das Kilo an. Bei 350 Kilo, die für eine Einäscherung benötigt werden, kann man sich die Kosten vorstellen, die mit diesem Akt verbunden sind.

Unsere Abreise nach Agra haben wir um einen Tag nach hinten verlegt, da wir das Festival of Light, welches gestern gefeiert wurde, nicht verpassen wollten. Die ganze Stadt schien sich nach Sonnenuntergang an den Ghats zu versammeln. Die paar Bilder, die ich gemacht habe, können nur ansatzweise vermittelt, was dort abging. Die Verbrennungen jedoch wurden auch während der Feierlichkeiten nicht ausgesetzt. Die Menschen und die Musik, die überall aus uralt Lautsprechern plärrte, schien die Trauernden nicht abzuhalten…

Posted in Indien 7 years, 9 months ago at 09:59.

12 comments

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12 Replies

  1. Titatobi Nov 3rd 2009

    Es ist unglaublich cool, das Tagebuch zu verfolgen…spannende Erzählungen und schöne Bilder…nach euren Gesichtsausdrücken zu urteilen seid ihr nur zu beneiden. Hab selten so entspannte und glückliche Mimik gesehen..

  2. Hallo Alex,
    hat mir richtig gut getan dich zu sprechen. Einen Tag vor Deinem Geburtstag Grüsse aus Kreuznach. Versuch so viel wie möglich von Deinen Eindrücken zu bewahren, nach Deinen Bildern und Berichten sind sie besonders.
    Papa

  3. Ähhnn Nov 3rd 2009

    Happy Birthday Honey,
    ich liebe dich….

  4. Ähhnn Nov 3rd 2009

    nach deiner Zeit hast du schon Geburtstag, wollte ich nur kurz anmerken, nicht das es heißt ich wüsste nicht, wann du Geburtstag hast. Kuss

  5. hallo alex, ich habe mich in der letzten stunde auf deiner Seite verloren und konnte gedanklich auch ein bisschen in indien – vor allem goa! – hineintauchen….
    andy hatte mich heute auf deine seite aufmerksam gemacht. es ist wirklich schön zu lesen, was für einen tollen trip du da gerade begonnen hast!!!
    ich werde jetzt öfter mal einen abstecher auf deiner seite machen. bei anne habe ich gelesen, dass du nach ortszeit schon geburtstag hast, ich wünsche dir alles gute! grüße auch moritz ganz herzlich von mir. weiterhin wünsche ich euch eine tolle reise, ich werde sie nun hin und wieder mitverfolgen. so long… lena

  6. stebbo Nov 4th 2009

    Heyhey, ich vertraue Ähhnns Zeitrechnung und schick dir viele herzliche Geburstagsglückwünsche ins Land der Hinterhoftempel und Lichterboote! Es macht wirklich Spaß, regelmäßig mit Bildern und Nachrichten aus einem fremden Universum versorgt zu werden…
    Drück euch beide,
    Ste

  7. Titatobi Nov 4th 2009

    Die Anne will nur vertuschen…das hab ich direkt durchschaut :)
    aber ich wünsche auch alles Liebe und Gute und Glück der Welt in den fernen Orient zum jetzt 24jährigen Geburtstagskind! Gönnt euch mal was…nich so wie sonst…höhö, vielleicht ein schönes Helles!

  8. carsten Nov 4th 2009

    Den liebem Alex

    herzligen Glühstrumpf zum Purzeltag

    Carsten

  9. Happy Birthday lieber Alex. Alles Gute!
    Lasst’s euch indischer Weise gut gehen!

  10. Den liebem Alex
    herzligen Glühpunsch zum Purzeltag
    carsten

  11. Hallo mein allerliebster lieblingsbruder!!

    Sorry, dass ich dir noch nicht geschrieben habe, aber ich gucke jeden Tag ob du wieder was neues geschrieben hast.
    Aber jetzt zum wichtigsten: Alles, alles liebe zum Geburtstag. Ich hoffe du hattest einen tollen Tag und hast etwas schöns unternommen.
    Wenn ich deine Berichte lese, bin ich immer ganz neidisch und ich würde am liebsten nächsten Sommer auch nach indien fahren.
    Ich vermisse dich gan doll, war letztens mit der Mama in der Stadt und waren dann am Markt und dann hab ich gedacht, oooh der Alex ist gar nicht mehr hier….
    Aber dadurch, dass du uns ständig auf dem laufenden hälst grhts noch. Du hast es auf jeden Fall besser drauf als ich.

    Also ich ahb dich ganz doll lieb
    dein Schwesterchen

  12. Hey alexandsack

    irgendwie kann ich dir keinen kommentar schicken ich bin verwirrt….


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