Archivbeiträge für den Dienstag, Juni 22nd, 2010.

Nicaragua, Panama und eine Nacht im Merriott

Es ist schon wieder einige Zeit seit dem letzten Eintrag vergangen. Inzwischen haben wir drei (vier mit den USA) Länder hinter uns gelassen und ich befinde mich jetzt offiziell auf dem letzten Teil meiner Reise.
Nicaragua und Panama sowie eine eintägige Reise durch Costa Rica waren die letzten Stationen in Mittelamerika. Während Nicaragua noch einiges an Charme besaß, gefiel mir Panama nicht mehr so gut. Zu sehr sieht alles aus wie in den USA, besonders in Panama City, wo sich eine Hochhausfront vor dem Meer auftürmt und eine Shoppingmall neben der anderen aus dem Boden sprießt. Aber nicht nur die Hauptstadt erinnert an den großen Bruder im Norden, auch kleinere Dörfer (jedoch nie klein genug, um nicht noch einen riesen Wal-Mart dort unterzubringen) werden von amerikanischen Rentnern überrannt, die sich Swimmingpools vor ihre Häuser stellen und ihre fetten SUVs zum Einkaufen vor dem Wal-Mart parken. Alles nicht so meins. Da habe ich Guatemala besser in Erinnerung, wo sich eine eigene Kultur etabliert hat, die zwar unleugbar von der amerikanischen beeinflusst, jedoch nicht von ihr ersetzt worden ist.

Es gab jedoch auch schöne Passagen in Panama. So war der Besuch des Panama-Kanals sehr beeindruckend und unser kurzer Abstecher nach San Blas, einem weitläufigen Archipel, das von den Kuna bewohnt wird, wohl meine schönste Insel-Erfahrung überhaupt. Man stelle sich vor der Küste verteilte Inseln vor, auf denen zwischen zwei und vielleicht dreihundert Palmen stehen. Unsere Insel gehörte wohl zu den größeren, jedoch war auch sie in vielleicht 15min umrundet. Drei Familien lebten auf hier noch ausschließlich vom Fischfang (und natürlich von uns) und ohne Strom und Wasser fühlte man sich stellenweise wie auf einer einsamen Insel. Für 15$ am Tag wohnten wir in unserer eigenen Hütte und bekamen drei Mahlzeiten am Tag (Darunter zweimal frischer Fisch mit Reis und Bohnen) und irgendwie hatte unser Gastgeber einen Kühlschrank auf Gasbetrieb umgebaut, so dass es sogar kaltes Bier zu trinken gab. Was braucht es mehr für eine gute Zeit? Leider hatte es keinen Fernseher, so dass wir das erste Deutschlandspiel im kolumbianischen Radio hören mussten. Ein Moderator mit unmenschlicher Sprechgeschwindigkeit und in die Moderation eingebaute Werbeunterbrechungen (”Banco Columbia. Este es su banco”) alle zwanzig Sekunden – kein Spaß! – machten daraus leider kein großes Vergnügen. Die vier Toren (GOOOOOOOOOOOOOOOL!!!11) haben wir dann aber doch mitbekommen.

Nach einem kurzen Besuch beim Arzt, der uns beiden Gardia, eine Parasitenart, diagnostizierte ging es dann in den Flieger Richtung Ecuador. Wir sollten gegen halb elf abends in Quito landen, jedoch hatten wir eine Stunde Verspätung und über Quito war es dem Piloten zu Wolkig, so dass wir in den Süden des Landes zum nächsten Flughafen ausweichen mussten. Um halb eins Nachts dort angekommen wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht mehr weiter fliegen würden und wir alle im Marriott-Hotel nahe des Flughafens untergebracht werden sollten. Nach weiteren zwei Stunden des Wartens ging es dann per Shuttel ins Hotel, wo wir ein 140$ Zimmer bezogen. Die Betten hatten drei Kopfkissen, das Zimmer eine eigene Kaffeemaschine und überhaupt gefiel das Ganze doch sehr gut. Nach fünf Stunden Schlaf und einem leckeren Frühstücksbuffet ging es dann aber auch schon wieder zurück in den Flieger.

Jetzt sind wir in Quito, mal wieder auf knapp 3000m und irgendwie schon wieder krank. Ich glaube beinahe wir haben unseren Parasit trotz Medikation nicht ganz losbekommen. Die Anne war gestern schon wieder in der Klinik, jedoch ergaben Blut- und Stuhltest nichts auffälliges. Jetzt wurde uns von einer netten Deutschen eine strikte Diät mit Wasser und Hühnerbrühe empfohlen. Mal sehen ob es uns damit besser geht.
Morgen wird erstmal der deutsche Sieg gefeiert und dann sehen wir weiter. Vielleicht ist es auch die Unsicherheit über das morgige Weiterkommen, die uns so schwach fühlen lässt. Oder die Kälte oder die Höhe oder was auch immer…

Posted 7 years, 4 months ago at 16:06.

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