Archivbeiträge für April, 2010.

Im Land des ewigen Frühlings

Während daheim in Deutschland wahrscheinlich langsam die ersten Frühlingsanzeichen zu erkennen sind, sind wir bereits die sechste Woche im sogenannten Land des ewigen Frühlings. Nachdem wir Xela und damit die inzwischen ungemütlich kalten Nächte und vermehrt bewölkten Tage verlassen haben, befinden wir uns jetzt 60km östlich von Coban nahe eines kleinen Dorfes mitten in den Bergen.
Vor majestätischen Hügeln fließt ein kleiner Fluss an dessen Ufern sich ein äußerst großzügiges ausgelegtes Hostel befindet, in dem wir jetzt schon bald eine Woche unsere Tage verbringen. Das Restaurant hier bietet jeden Abend riesige Mengen Essen in Form eines leckeren Buffets an und die Sonne läd zum Nichtstun und hartem Chillen ein.

Im Hinblick auf unseren geplanten Trek im Norden Guatemalas, der uns zu den mitten im Dschungel liegenden Ruinen der einst 50.000 Einwohner zählenden Mayastadt “El Mirador” führen wird, haben wir schon einige Spaziergänge in der Region unternommen. Neun Kilometer zum Nationalpark Semuc Champay, wo sich der unser Fluss hier in großen Kalksteinpools sammelt, in denen es sich vortrefflich schwimmen lässt. Heute Nachmittag werden wir wohl die zwei Kilometer entfernten Höhlen hier untersuchen, aus denen bei Sonnenuntergang mehrere Tausend Fledermäuse Richtung ihrer Jagtgebiete aufbrechen sollen.
Trotzdem fühle ich mich für unsere sechs Tages Tour durch den Dschungel noch nicht wirklich gewappnet. 6-8h strammen Marschs durch unbewohnten Dschungel fordert von uns wahrscheinlich mehr, als ich bin dato zu leisten vermag. Aber noch haben wir knapp eine Woche bis es losgeht und somit die Zeit unsere Beine an etwas Arbeit zu gewöhnen (wäre dieser Ort hier nicht so eindeutig zum absoluten Gegenteil prädestiniert).

Uns bleibt leider nur noch knapp ein Monat in Zentralamerika bis unser geplanter Flug von Panama City nach Quito, Ecuador geht. Das lässt leider sehr wenig Zeit für den kompletten Rest des Kontinents, der Anbetracht der sechs Wochen, die wir allein in Guatemala bislang verbracht haben, eine sehr zeit intensive Reisedestination darstellt. Wahrscheinlich buchen wir den Spaß mal wieder um oder streichen ihn ganz und folgen einem fixen Plan, der vorsieht am Beginn des Panamakanals auf einem Segelboot anzuheuern und straight zu den Galapagos Inseln zu segeln. Aber egal wie wir es schlussendlich anstellen, uns bleibt zu wenig Zeit für all Das, was hier möglich ist. ich fühle mich schon wieder an Indien erinnert, wo ich ebenfalls sechs Wochen verbracht habe, und nicht mal 10% des Möglichen zu Gesicht bekommen habe. (Herr Ruffing hat es da ein wenig besser angestellt)

Es gibt viele neue Fotos, leider lässt die Satelliten-Verbindung hier keine größeren Datenverschiebungen zu. Man darf sich sowieso schon mal auf ewig andauernde “Dia-Abende” freuen, auf denen ich meine Bilder zeigen werde. Nach allem was ich bislang gehört habe, soll sich das Interesse an solchen Veranstaltungen aber nach der Rückkehr der Betroffenen schnell verflüchtigen. Aber zum Glück haben wir auch noch mehrere Gigabyte an Videos mit im Gepäck =)

Posted 7 years, 2 months ago at 19:59.

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Bergsteigen. Der zweite Akt

Zu aller erst: Den ersten Akt gab es logischerweise auch. Jedoch war er eher uninteressant und vergleichsweise farb- und ereignislos. Der Vollständigkeit halber sei sein Ablauf trotzdem kurz erwähnt.

Letzte Woche Montag haben wir uns aufgemacht den Vulcan Tajumulco zu besteigen. Nach dem Vorbild mehrerer Leute, die wir hier in Xela kennengelernt haben, hieß es dafür 44km bis nach San Marcos, einer größeren Stadt westlich von Quetzaltenango zu fahren. Von dort aus weitere 45 Minuten in die Berge, wo wir am Fuße des Vulcans oder besser an einer einfachen Biegung der Straße vom Busfahrer aus dem Bus gelassen wurden. Wir befanden uns hier schon auf knapp 3000m, von einer guten Aussicht war allerdings keine Spur. Dichter Nebel ließ uns vielleicht 15m Sichtweise. Nachdem wir um halb acht aufgestanden waren, kamen wir hier gegen halb zwölf an. Wir hatten für den Aufstieg drei bis vier Stunden und für den Rückweg knapp die Hälfte eingerechnet und unser Bus zurück sollte um halb sechs von San Marcos aus gehen. Wer bis hier hin gut aufgepasst hat, wird feststellen, dass die Rechnung leider nicht aufgeht. Wir stiegen also „aus Spaß“ knapp 90min den Hügel hinauf. um uns mental und körperlich schon mal auf den zweiten Akt vorzubereiten.

Am Dienstagmittag dieser Woche starteten wir besser vorbereitet, d.h. mit mehr Zeit, wieder Richtung San Marcos. Wir übernachteten im Hotel Dubai, das seinen Rohbaustatus gerade hinter sich gebracht zu haben schien, und standen diesmal schon um viertel nach neun an derselben Straße im selben Nebel. Zusammen mit sechs Litern Wasser, zwei Mangos und ein paar Keksen ging es dann los. Sechs Kilometer und ca. 1200 Höhenmeter trennten uns wieder von Abstieg und knapp drei Stunden Busfahrt von unserem Endziel (welches für mich bereits um halb drei mein Bett darstellte). Die ersten zwei Kilometer ging es einen recht breiten Weg hinauf vorbei an letzten Hütten und Feldern mit Kühen und Gemüse. Der Boden bestand aus Vulkansand (ach nein) und war teils von breiten Furchen durchzogen, die aussahen, als würde hier in der Regenzeit einiges an Wasser herunterkommen. Nach einer Stunde kamen wir an die Stelle, an der wir das letzte Mal umgekehrt waren und die ersten großen Nadelbäume zeigten sich durch den Nebel. Das letzte Mal trafen wir hier auf eine Gruppe Jungendlicher, die mit Zelt und Schlafsäcken zum Gipfel unterwegs waren. Dieses Mal nur auf ein paar einsame Kühe, die wie alle Kühe auch irgendwie nur doof aus der Wäsche guckten. Ab hier wurde der Weg bereits deutlich schmaler, war aber noch gut als solcher zu erkennen. (Mit der Wegfindung hatten wir im Übrigen keinerlei Probleme, obwohl wir an diesem Tag keinem Menschen begegnet sind. Das lag aber nicht an meinen übersinnlichen Fähigkeiten im Fährtenlesen, sondern eher an der beständigen Spur zurückgelassenen Mülls.) Die nächsten Kilometer waren landschaftlich einmalig sehr abwechslungsreich. Wir liefen einen spärlich bewaldeten Kamm hinauf vorbei an Nadelbäumen auf moosbewachsenem Boden. Zwischenzeitlich sah das Ganze aber auch mehr aus wie eine breite Ebene an deren Seite das Gelände steil abfiel.
Der Nebel hatte sich in zwischen gelichtet und wir konnten bereits auf die dicke Wolkendecke im Tal vor uns blicken. Trotz der Höhe war es angenehm warm und ich lief sogar längere Zeit im T-Shirt. Mit der Höhe wurden jedoch unsere Pausen immer zahlreicher und deren Abstände geringer. Zwischenzeitlich machte ich nach jedem erreichten Baum eine kurze Atempause. Die Anne blieb immer ein Stück hinter mir (L), wir trafen uns jedoch immer dort, wo ich eine längere Pause brauchte. Erst nach vier Kilometern sahen wir erstmals die Spitze. Hätten wir sie früher schon gesehen, wäre das für unsere Moral nicht gerade förderlich gewesen, denn das Teil erhob sich nochmal deutlich von allem anderen um uns herum. Der finale Aufstieg erwies sich für mich als besonders anstrengend. Statt Kies oder gar Moos bestand der Boden hier aus größeren und kleinen Felsbrocken. Zusammen mit der Steigung ergab das mehr eine klassische Kletterpartie, als einen entspannten Sparziergang. Ich hatte während der letzten hundert Meter sowohl mit aufsteigender Höhenangst und den beiden Taschen, in denen ich Wasser und Essen verstaut hatte zu kämpfen. Letztere baumelten die ganze Zeit vor meinen Beinen, was meinem leicht panisch zu werdenden Endspurt mit 180 Puls nicht gerade gut tat. Als ich „oben“ ankam musste ich feststellen, dass die Bergspitze hier keine wortwörtliche Spitze besaß, sonder mehr eine breite, äußerst steinige Kuppe darstellen. Außer ein paar Blumen und Eidechsen war hier oben nichts zu sehen und hätte ich nicht so gehechelt, hätte ich absolut nichts gehört. Die Anne kam etwas nach mir heraufgekrakselt und wir machten uns gemeinsam über das verbliebene Essen her.

Viel Zeit „über den Wolken“ blieb uns jedoch nicht. Wirklich frei habe ich mich auch nicht gefühlt, da wir nur noch knapp zwei Stunden für den Abstieg hatten. Dieser sollte mich mehr nerven, als der komplette Aufstieg. Hier kann man seine Kraft nämlich besser einteilen, da man jeden Schritt und damit jeden Anstrengung selbständig ausführt. Beim Abstieg jedoch besteht die Anstrengung aus dem ständigen Abbremsen seines eigenen Körpergewichts, was nach einiger Zeit und mit zunehmendem Gefälle einfach tierisch auf die Eier geht. Ohne eine einzige Pause und nach ca. 90min kamen wir „leicht“ lädiert an der schmalen Straße an und warteten frierend und müde auf den Bus. Der Ausblick auf drei Stunden beengte Busfahrt auf kurvigen Bergstraßen trug dabei nicht gerade zu besserer Stimmung bei.
Bei Einbruch der Dunkelheit kamen wir wieder in Xela an. Um acht Uhr lagen wir im Bett. Muskelkater spüre ich noch keinen, aber mal sehen wie es mir morgen geht =)

Posted 7 years, 2 months ago at 04:52.

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Halbzeitanalyse

Vor knapp sechs Monaten bin ich von Frankfurt aus gestartet und nach einigen sehr unterschiedlichen Abschnitten mit verschiedenen Reisepartner/-innen bin ich jetzt in Guatemala und blicke auf die zweite Hälfte meiner Reise. Noch liegt einiges vor mir und doch auch schon einiges hinter mir. Um die Sache mal nicht mit Worten breitzutreten hier eine Halbzeitanalyse der anderen Art.

Der Schiri hat mal wieder nachspielen lassen und schon mehr als die vorgegebenen 45 Minuten sind bereits verstrichen. Die Mannschaften verziehen sich in die Katakomben, wo für 15 Minuten innegehalten und das Geschehene reflektiert wird. Es ist jetzt am Assistenten die Mannschaft für die nächste Halbzeit zu motivieren. (Und ein paar Moralpunkte an den Torhüter zu verteilen, der mal wieder zu oft kläglich versagt hat – wir sollten nochmal darüber nachdenken unsere 17 Jährigen Talente aus der Jugendmannschaft in der Liga auflaufen zu lassen) Da der Kerl nicht besonders gut mit Worten umgehen kann, beschränkt sich seine Analyse auf nackte Zahlen und unerotische Statistiken:

- 193 Tage
- 2 Kontinente
- 8 Länder
- 7 Hauptstädte
- 6 Inseln
- 8 Flüge
- 4x Selbstgekochtes Essen
- 0 Friseurbesuche
(Das wird auch noch den Rest der Reise durchgezogen)
- 140 GB neuer Musik
- Ca. 1.800 Fotos
(bereits aussortiert)
- 3 verschiedene Reisepartner
- Unzählige tolle neue Menschen darunter:

2 Holländer, 7 Deutsche, 2 Irinnen, 2 Ukrainerinnen, 3 Norwegerinnen, 2 Schweden, 3 Engländer, 1 Amerikanerin, 1 Kambodschaner, 1 Französin
- Viiiiiiele Tiere darunter:
Schlangen, Spinnen, Tiger, Fledermäuse, Glühwürmchen, Riesenwarane, Gazellen, Affen, Schafe, Kühe, Schmetterlinge, Ameisen, Ziegen, Pferde, Elefanten, Kamele, Büffel, Fische (die Anne hat ne vollständige Liste, für deren Anfertigung ich nach unseren Tauchgängen immer zu faul war), Katzen, Hunde, Ratten, Kakerlaken, Zirkaden, Geckos, Tausendfüßler, eine Zibetkatze, Pelikane, Schwäne, und ne Menge anderer Vögel deren Namen ich nicht mehr weiß.
- Gute und schlechte Biersorten, darunter:
BeerLao, Chang, Singha, Cabro, Gallo, Kingfisher, Angor, Tiger, Bintang, Ankor, San Miguel, Jaz
- Ein paar verzweifelte Versuche anständigen Wein zu finden (die alle scheiterten – besonders in Indien: BAH)
- Unzählige Reisen in:
Bussen, Taxis, Minivans, Zügen, Tuk-Tuks, Auto-Rickshaws, eine denkwürdige Fahrt auf einer Fahrrad-Rickshaw, Fähren, Wassertaxis, Fischerbooten, Mopeds (mit und ohne Gangschaltung), alten amerikanischen Schulbussen, Fahrrädern, Katamaranen, Elefanten und einem Wasserbüffel
- Äußerst leckeres Essen, darunter:
Indische Currys, Dal, Nan, Rotis, Chapatis, Parathas, Samosas (zum Frühstück arg gewöhnungsbedürftig =) Gelbe-, Grüne- und Rote Thaicurrys, Sticky Reis mit Mango, Nasi Goreng, Mie Goreng, Sandwiches (des Grauens in Laos), Schlange, Baracuda, Sweet Lip Fish, Blue Marlin, Tacos, Nachos, Tortillas mit allem Möglichen (Avocado, Bohnenmuß oder auch mal mit Nudeln)

- Ausgaben während der Reise:
Ca. 4000€ davon entfielen (basierend auf meinen Finanzstatistiken der letzten 48 Tage, die sich aber noch keiner statistischen Relevanz erfreuen kann)
- 36% (1.447€) auf Essen und Trinken. Davon 19% auf Alkohol (266€), 18% auf Getränke (260€) und 64% auf Essen (921€)
- 9% (358€) auf Transportausgaben. Davon 42% auf Busfahrten (151€), 28% auf Fährfahrten (101€), 15,5% auf Taxifahrten (55,8€) und 14% auf Zugfahrten (50€)
- 16,2% (648€) auf die Unterkunft
- 37,2% (1.488€) auf sonstige Ausgaben. Darunter Zigaretten mit 8,2% (119€), Wäschekosten mit 1,6% (24€) und 75% (1.116€) auf Kosten für Eintritte, Gebühren etc. Der Wert wird natürlich durch unseren Sprachkurs die letzten vier Wochen etwas verzerrt. Mal sehen, was sich da bis zum Ende noch so tut.
- Bester Kauf: Mein neuer IPod
- Schlechtester Kauf: Eine türkisfarbene Alibaba-Hose aus Indien. Das Teil war schon beim Kauf versifft und mehr kaputt als ganz. Und ausgehsehen hat das Ganze auch nichts. Ergo: Nie getragen und nach 1 Woche weggeworfen.(Kaufpreis lag aber auch bei unter einem Euro =)
- Verrücktestes Fernsehprogramm: Indien (Man muss es gesehen haben. Aber stundenlanges Gebrabbel (oder Gebete) von indischen Gurus im Fernsehen ohne Unterbrechung zu senden grenzt schon an Körperverletzung)

Die Spieler schauen nach dieser doch sehr theoretischen Halbzeitansprache etwas verdutzt. Der Torhüter wird ausgewechselt und die Taktik komplett auf SIEG umgestellt. (vier Stürmer, keiner im Tor) Die Mannschaft begibt sich nichtsdestotrotz wieder aufs Spielfeld und der Assistent schaut zufrieden. Nur der Trainer fragt sich, was seinen Assi da gerade geritten hat. Von was zur Hölle hat der Kerl da gerade gesprochen?

Posted 7 years, 2 months ago at 00:09.

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