Archivbeiträge für März, 2010.

Ich ess’ ne Mango in Quetzaltenango

Nach nunmehr bald drei Wochen in Guatemala ist mal wieder ein Update angesagt. Die Tatsache, dass Anne und ich uns schon zwei Wochen lang in einem Spanischkurs hier in Quetzaltenango befinden, hat Zeit und Motivation für anderweitige Dinge etwas eingeschränkt. Jeden Tag um sieben Uhr (nach dreimaligem „Snooze“ dann doch eher um halb acht) beginnt mein Tag. Nach kurzem Besuch im Bad, dass ich hier mit noch vier weiteren Menschen teile (drei guatemaltekischen Studenten und der älteren Tocher der Familie, bei der ich nunmehr wohne) geht es runter zum Frühstück. Eine Dusche gönne ich mir nur am Abend, da das Wasser leider eiskalt und die Temperaturen hier morgens nur geringfügig wärmer sind. Frühstück besteht entweder aus Pancakes mit Ahornsirup, Reis-Omelette mit Bohnenmuß oder irgendwelchen Maisvariationen (Die allgegenwärtigen Tortillas sind sowieso immer dabei) Nach Kaffee, Frühstück und dem Genuss der ersten mexikanischen Soapopera geht es dann, nachdem ich die Anne die Straße entlang bei ihrer Familie abgeholt habe, Richtung Schule. Der Unterricht besteht aus 1on1 Unterweisungen für fünf Stunden am Tag. Meine „Lehrerin“ heißt Pati und studiert hier in Quetzaltenango Physiotherapie. Jedoch nur am Wochenende. Unter der Woche wird versucht den Gringos das Spanische näher zu bringen. Bei mir ist das Ganze nicht unbedingt unerfolgreich, aber Konversationen über weltbewegende Themen kann ich noch lange nicht führen. Immerhin muss ich nirgendwo mehr verhungern und kann im Grunde alles, was ich so an Bedürfnissen habe zum Ausdruck bringen. Anne hat schon für die spätere Zeit vorgesorgt und sich ein Lehrbuch kopieren lassen, damit wir auch nach dem Unterricht in einer Woche etwas Prüfungsmaterial besitzen.

Neben dem Unterricht bietet die Schule auch nachmittägliche Aktivitäten an. So habe ich mich schon über das Mayareich in unterschiedlichen Facetten und in der Salsatheorie unterrichten lassen. Ersteres in Spanisch, was nicht unbedingt zu einem umfassenden Verständnis beigetragen hat und letzteres mit der Anne, die von meiner dilettantischen Vorstellung so begeistert war, dass wir uns gestern Abend gleich in einen ausgewachsenen Salsa-Club aufgemacht haben. Die Vorstellung der guatemaltekischen Salsa-Alpha-Männchen, die zur früher Stunde in der noch halbleeren Bar schon mal ihr Können an den mit schmachtenden Blicken hinter dem Tresen arbeitenden Amerikanerinnen demonstrierten, hat mich in meinen klobigen Sandschuhen nicht wirklich von meinen Fähigkeiten überzeugen geholfen. Trotzdem habe ich mich an der Sache versucht. Die Anne soll sich dann mal zu meiner Eignung äußern…

Nach drei Wochen hier habe ich mich schon fast vollständig eingelebt. Das hat glaube ich mehrere Gründe. Zum einen befinden wir uns mehr oder weniger die ganzen Zeit an einem Ort (von einem Kurztrip letzes Wochenende zum sehr beeindruckendem Lago di Atiklán einmal abgesehen) und zum anderen ist die Lateinamerikanische Kultur der unseren doch wesentlich näher als alles, was ich so in Asien erlebt habe. Allein die Tatsache, dass man sich eine Sprachfamilie teilt macht da schon sehr viel aus. Auch spielt Guatemala kulturtechnisch in einer gänzlich anderen Liga als beispielsweise Kambodia, das unter Polpot eine Kulturrevolution chinesischen Vorbilds erlebt hat, die man heute noch spürt. Auch ist Guatemala schon seit 1821 unabhängig, was der Bildung einer Nationalidentität wesentlich mehr Zeit gegeben hat als in vielen asiatischen Staaten. In Quetzaltenango hat die lange Geschichte des Landes auch andere Vorteile. So bietet der Stadtkern viele neoklassizistische Bauten, eine Kirche(nfront, der Rest ist vor 100 Jahren einem Erdbeben zum Opfer gefallen) von 17xx und sogar ein eigenes Theater, was der Stadt ein reiferes Antlitz gibt als die Betonsiedlungen in Malaysia oder Thailand. Auch der Fußball ist hier wesentlich größer als in Asien, was mir persönlich gefällt. Besonders der FC Barcelona wird verehrt (was natürlich einfach ist, da der nun mal den besten Verein der Welt darstellt) was aber nicht daran liegt, dass Guatemala keine eigene Liga hätte. Die gibt es sehr wohl und unser Besuch im Stadion allein war schon ein tolles Erlebnis. Auch wenn die Spielqualität eher an die Verbandsliga erinnert, waren die ständigen bengalischen Feuer und die Unmengen an Vendors, die ständig durch die Ränge liefen den Besuch wert. Mal sehen, am End geh ich heute mal wieder hin. Das Essen hat sich für uns auch verändert. Statt Reis gibt es jetzt jeden Tag Mais. Die Anne steht da leider nicht so drauf, aber mir macht das nichts aus. Maisfladen, Maisbrötchen und Maisklumpen mit Hühnchen sind immer lecker (Mal sehen, was ich in fünf Monaten dazu sage :D ) Neben Mais sind vor allem die amerikanischen Fast-Food-Ketten omnipräsent. So habe ich zum ersten Mal in einem Wendy’s gegessen. Was gar nicht schlecht. Aber nen Hotdog von der Straße für 5 Quetzales (Ja, wie im Stadtnamen. Ist der Name eines Vogels) ist der perfektere MitternachtsSnak, wie ich gestern feststellen durfte =)

Posted 7 years, 3 months ago at 01:30.

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Blick von Tokio auf Singapore

Mit “tollem” Blick auf Terminal 2 des Flughafen in Tokio bleIben mir noch knapp 90min bis zum meinem elfstuendigen Weiterflug nach Dallas. Genug Zeit fuer ein kurzes Resuemee:
Singapore haben wir zwar nur einen sehr kurzen Besuch abgestattet (den Uebernachtungspreise von 10 Euro und mehr pro Nacht sei Dank) und doch wage ich mich ob meiner Beobachtungen und eines kurzen aber interessanten Gespraechs mit drei indischen Managern (von denen zwei ihr Heimatland bis heute nicht besucht haben) ein Fazit abzugeben. Singapore ist sauber, teuer und mit allen Fasern dem Kommerz verpflichtet. Die Kriminalitaetsrate ist unglaublich gering und doch erinnert an fast jeder Bushaltestelle eine grossformatiges Plakat daran wachsam zu sein und jedes auffaellige Verhalten direkt an die Behoerden zu melden. Ueberhaupt ist die Stadt gepflastert mit Hinweis-und Verbotsschildern. Im Bus wird man hoeflich (und unuebersehbar deutlich) darauf hingewiesen Alten und Kranken seinen Sitzplatz anzubieten, an jeder Kreuzung erinnert ein Schild an die Benutzung der Ampel und Rauchverbotsschilder habe ich mehr gezeahlt als Verkehrsschilder. Damit die ganzen Regeln auch brav eingehalten werden, vertraut die autokratische Regierung (die seltsamerweise trotz “demokratischer” Strukturen im Land seit 50 Jahren an der Macht ist) auf Bussgelder (250 Euro, wenn im Zug verbotenerweise getrunken wird, 2500 wenn man raucht) und Ueberwachungskameras. Meist werden gleich fuenf oder sechs Stueck gemeinsam aufgehaengt, was dann an schoene “Ueberwachungsblumen” erinnert.
Auf Drogenbesitz schon geringer Mengen steht die Todesstrafe, die aber laut meiner Gespraechspartner “schon” seit zwei Jahren nicht mehr zur Anwendung kam. Wenn das mal kein eineutiges Zeichen fuer eine liberale Wende darstellt :D

Innerhalb der Stadt herrscht penible Ordnung und das Stadtbild wird von teuren Cafes, parkgesaeumten Restaurants und glaesernen Buerotuermen gepraegt. Laut meinen indischen Freuden (die uns netterweise auf ein 6 Euro teures Bier eingeladen hatte) besteht das Leben eines aufstrebenden Singapurianers aus Lernen, Studieren, Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten und Shopping. So hat einer der drei nach dem Bier seinen Sohn um halb neun von der Schule abgeholt. Auch regierungsgesponserte Werbeplakate erinnert daran, dass dass den lieben Kleinen doch bitte eine ganztaegige Betreung und fruehe Karrierefoerderung angetan werden sollte, um in der wettbewerbsgetriebenen Wirklichkeite gut dazustehen. (Den selben Ton nahmen dann auch einige Werbebotschaften auf Unternehensseite an)

Dass die Ueberwachungs- und Ordnungsmanie der Regierung vor allem bei der jungen Bevoelkerung auf geringe Gegenliebe stoesst, macht ein schoenes Beispiel deutlich. An einem Platz direkt in der Innenstadt, der mit Schilderbotschaften wie: “Don’t litter” und “don’t smoke” gepflastert war, taten die herumlungernden Jugendlichen genau dies. Jedoch nicht ohne beim fast schon revolutionaeren Akt des Kippe-Wegschnippens einen pruefenden Blick ueber die Schulter zu werfen…

So bin ich froh diesem Wahnsinn (anders kann ich es nicht beschreiben) entkommen zu sein und morgen im versifften Guatemala anzukommen. Gaenzlich ohne Zwischenfall habe ich meinen Besuch in Singapore leider doch nicht abschliessen duerfen. So hatte ich schon bei der Einreise Kontakt mit den Behoerden. Meine extra aus Malaysia fuer Lateinamerika gekaufte Machete mit solidem Holzgriff wurde mir leider aus dem Gepaeck gefischt. Diese stellt naemlich nach Singapurianischer Logik eine Waffe dar, die nicht ins Land eingefuehrt werden darf. Ich frage mich nur, mit was die Menschen dort ihre Kokusnuesse oeffnen. Ohne ein grosses Messer ist das naemlich eine abendfuellende Beschaeftigung…

Posted 7 years, 3 months ago at 10:46.

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