Archivbeiträge für den Sonntag, November 8th, 2009.

Die letzte Station

Da mir nur noch fünf Tage bis zu meinen Abflug aus Delhi bleiben, stellt Pushkar, die kleine, heilige Stadt, in der wir uns gerade befinden, wohl meine vorerst letzte Indien-Station dar. Meinen Geburtstag haben wir in Agra verbracht, die beiden Nächte um meinen Geburtstag mal wieder in Bus und Bahn. Agra hat leider außer dem Taj und seinem weitläufigen Fort nur Dreck, Lärm und Touristenabzocker zu bieten, weshalb wir eine Nacht und damit auch zwangläufig einen zweiten Tag dort verhindern wollten. Das Taj Mahal haben wir uns gegen Abend zusammen mit geschätzten 5000 anderen Touristen angesehen. Und trotz dieses Umstandes und der Tatsache, dass man das Taj schon zigmal auf Bildern gesehen hat, war die Wirkung einzigartig. Die symmetrische Form macht es zu einer sprichwörtlichen Augenweide. Die Anziehungskraft bleibt von fast jedem Blickwinkel aus unverändert und nur sehr schwer kann man den Blick vom Taj abwenden und sich die nicht minder eindrucksvollen Moscheen anschauen, die links und rechts auf das Mausoleum blicken. Hier wurde der Symmetriegedanke aber vielleicht etwas zu weit getrieben, denn jede Mosche muss nach Mekka ausgerichtet sein, was den rechten Zwillingsbau zur reinen Zierde werden lässt. Wir haben uns dem allgemeinen Druck hingegeben und uns, wie fast 99% der Besucher auch, schön vor dem Taj stehend fotografiert. Für uns dienen die Bilder als Erinnerung. Um das Taj zu „erfahren“, muss man aber selbst hinfahren. Die zehn Euro Eintritt lohnen!

Pushkar ist ein sehr ruhiger Ort. Durch seine, wie auch immer geartete Heiligkeit, findet man (wenn man sich nicht all zu sehr anstrengt) weder Fleisch noch Alkohol. Um elf Uhr abends werden die nicht vorhandenen Bordsteine kollektiv hochgeklappt und zur selben Zeit auch die Beleuchtung in den zahlreichen Restaurants ausgeschaltet. Wir mussten bereits zwei Schachspiele deswegen beenden. Der Ort ist relativ stark touristisch geprägt. Das Nivea von Kajuraho – in dem man keinen Schritt auf der Straße ohne eine indische Begleitperson machen konnte – wird hier jedoch nicht erreicht. Trotzdem habe ich schon wieder fast fünf Euro für eine heilige Puja (Segnung am Wasser des jetzt leider fast ausgetrockneten Sees), eine dilettantische Hennazeichnung und eine CD mit traditioneller rajastanischer Musik ausgegeben. Letztere Investition hat sich aber gelohnt, wie wir vorgestern erfahren durften. Wir tun hier nicht viel, außer die Gegend mit unseren Rollern zu erkunden und jeden Tag fürstlich zu speisen. Gestern haben wir uns von einem israelischen Pärchen auf Backpacker-Hochzeitsreise in die Tiefen der israelischen Küche führen lassen. Eine wichtige Erkenntnis: Reisen lohnt allein fürs Essen schon. Bin in dieser Hinsicht schon sehr auf Thailand gespannt, denn Fleisch und Fisch sind hier in Indien doch eher selten. Entweder es gibt „pure-Veg“ oder ein trockenes Stück Chicken im Essen. Mir ist sehr nach Kuh und Schwein…

Posted 7 years, 11 months ago at 10:06.

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