Archivbeiträge für November, 2009.

Vom Inselleben zurück in die Großstadt

Nach fast zehn Tagen auf Koh Ru, einer kleinen Insel vor der Küste von Kambodscha, bin ich jetzt in der Hauptstadt Phnom Penh gelandet. Aus den geplanten drei Tagen wurden zehn und ich wäre fast noch länger geblieben, hätte mich mein schlechtes Gewissen nicht zum weiterreisen gebracht.

ie Insel besteht im Grunde aus zwei kleinen Stränden auf der Ost- und Westseite. Der Rest ist dichter Dschungel und nur ein kleiner Pfand führt durch ihn hindurch und verbindet die beiden Seiten der Insel miteinander. Auf jeder Seite gibt es ein Bungalowressort mit ca zehn Strandhütten. Spartanisch eingerichtet und nur mit einem alten Moskitonetz vor den unzähligen Krabbelviecher geschützt, habe ich auf jeder Seite ein paar Nächte verbracht. Dabei habe ich auch Kontakt mit der ersten größeren Spinne gemacht, die es sich netterweise in einer meiner Unterhosen bequem gemacht hat, die ich nach der Wäsche zum trocknen auf die Leine gehängt hatte. Zum Glück fand sich ein freundlicher Khmer, der das fast handtellergroße Vieh aus meinem Moskitonetz entfernt hat. oO

Der Unterschied zwischen Koh Ru und Phnom Penh könnte größer nicht sein. Während sich in der Stadt knapp 1.5 Millionen Menschen drängen, waren wir auf der Insel höchstens 40 Leute, was ausschlaggebend für die sehr entspannte Atmosphäre war. Man hatte immer die Wahl zwischen Einsamkeit und Gesellschaft, beides nur wenige Meter voneinander entfernt. Etwas, was ich bislang nur aus Goa kenne und jetzt schon wieder vermisse. Mein Tagesablauf war absolut abwechslungsarm und wurde nur durch die zwei oder drei Mahlzeiten am Tag etwas strukturiert. Schwimmen, lesen und absolut nichts tun, während man in einer Hängematte direkt am Wasser liegt. Nur die Gespräche mit den Leuten brachten etwas Abwechslung. Ich habe meine ersten Kanadier kennengelernt und feststellen müssen das Engländer – entgegen meiner bisherigen Meinung – doch nicht das verständlichere Englisch sprechen. Auch Deutsche aus Berlin und Bremen sowie ein sehr nettes Pärchen aus Österreich habe ich getroffen. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich Reisedauer und -geschwindigkeit der Leute unterscheiden und dabei auch gleichzeitig die Gesprächsthemen: Diejenigen, die nur wenige Wochen unterwegs waren, redeten äußerst ungerne über ihren Job zuhause und schwelgten lieber in Phantasien über eine längere Auszeit von Heim und Hof. Eine Irin hingegen, die auf der Insel ihr einjähriges Reisejubilläum gefeiert hat, war mit ihren Gedanken schon ganz bei ihrer geplanten Selbstständigkeit in Australien. Alle jedoch, die dem Ende ihrer Reisezeit entgegenblickten, waren voller Wehmut und ich kann mich rückblickend sehr glücklich schätzen, noch am Anfang meiner Reise zu stehen.

Phnom Penh gefällt mir bislang sehr gut. Die Stadt ist relativ übersichtlich und hat mit der breiten Flusspromenade und den vielen Parks und Bäumen noch viel von ihrem französischen Flair erhalten. Morgen reise ich ab und werde mich Richtung Norden, entlang des Mekong Flusses, in die abgelegeneren Regionen des Landes machen. Zwei Wochen bleiben mir noch bis zu meiner Abreise nach Bangkok. Ich hoffe, ich komme pünktlich wieder zurück =)

Posted 8 years ago at 08:47.

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Tempel, Tempel, Tempel

Tempel, Tempel, Temple

Davon gibt es hier in Angkor Wat, dem ehemaligen Zentrum der khmerischen Hochkultur im 10. Jahrhundert einige. Seit drei Tagen bin ich jetzt in Kambodia und die Unterschiede zu Indien sind groß. Zum einen ist das Land wesentlich (!!!) kleiner und man kann beinahe alle Gebiete innerhalb eines Tages mit dem Bus erreichen. Der andere große Unterschied ist die Bevölkerungszahl. Nur knapp 16 Mio Menschen leben hier, 80% davon auf dem Land. Das lässt die zweitgrößte Stadt des Landes schon kleiner als Wiesbaden werden. Der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen und viele Gebiete sind noch völlig unerschlossen. Vor allem die Bergregionen im Nordosten, kurz vor der Grenze zu Laos sind mehr oder weniger Wildnis mit dichter Dschungelvegetation. Dorthin will ich mich aber erst später aufmachen. Für heute Abend ist eine Übernachfahrt an die Küste geplant. Ich brauche dringend ein paar Tage in absoluter Ruhe am Strand. Mit ein wenig Glück bekomme ich auf einer der kleineren Inseln vor der Küste einen Strandbungalow. Drei Tage ohne Strom direkt am Meer ist genau das, was ich jetzt brauche.

Die Tempel von Angkor sind ähnlich faszinierend, wie ich sie mir vorgestellt habe. Über 20km² erstrecken sich die unterschiedlich gut erhaltenen und restaurierten Tempelanlagen. Manche sind immer noch in dem Zustand, in dem die ersten Europäer sie entdeckt haben. Mit Bäumen, die die Steinwände langsam aufzufressen scheinen und Wurzeln, die sich durch den Boden bohren. Die großen Distanzen zwischen den Tempeln gestalten die Fortbewegung etwas schwierig, vor allem für meinen in Kambodia sowie schon geplagten Geldbeutel. Ein Tuk-Tuk kostet 15$ für einen Tag, der Eintritt 20$ und ein Liter Wasser (Von dem man bei 30°C Hitze verdammt viel braucht) nochmal 1$. Für heute habe ich mir ein klappriges Fahrrad gemietet. Mal sehen, wie sich die knapp 20km Fahrt hin und zurück gestalten.

Posted 8 years ago at 06:43.

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Bangkok

Kurze Statumeldung aus meinem Guesthouse in Bangkok. Die Nacht war bescheiden und durch den Abflugzeitpunkt von 04.00AM entsprechend kurz. Bin aber doch gut angekommen und musste mit Erstaunen feststellen, wie sauber Asien sein kann: Strassen ohne Dreck (und leider auch ohne die sympathisch stoischen Kuehe), Guesthousetoiletten, die aussehen, wie frisch installiert (und kein Geruch im Bad, der einen vom Gegenteil ueberzeugen will). Leider sind die Preise auch ca. 40% hoeher, als ich es aus good old india gewohnt bin. Muss mich hier wohl richtig zurueckhalten…

Touristen ueberfuellen die ganze Stadt und irgendwie vermisse ich die entspannte Atmosphaere in Indien jetzt schon. Alkohol wird hier in jeder Bar gross beworben (etwas was ich aus Indien auch nicht kenne) was auf harte, laute Naechte schliessen laesst. Ich werde mir den Spas heute Abend mal ansehen. Mein Plan steht noch immer nicht final. Ich komme relativ entspannt nach Cambodia von hier aus. Brauche nicht mal ueber Nacht zu fahren. Mal sehen, wann ich losziehe. Wahrscheinlich aber morgen frueh….

Posted 8 years, 1 month ago at 08:15.

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Die letzte Station

Da mir nur noch fünf Tage bis zu meinen Abflug aus Delhi bleiben, stellt Pushkar, die kleine, heilige Stadt, in der wir uns gerade befinden, wohl meine vorerst letzte Indien-Station dar. Meinen Geburtstag haben wir in Agra verbracht, die beiden Nächte um meinen Geburtstag mal wieder in Bus und Bahn. Agra hat leider außer dem Taj und seinem weitläufigen Fort nur Dreck, Lärm und Touristenabzocker zu bieten, weshalb wir eine Nacht und damit auch zwangläufig einen zweiten Tag dort verhindern wollten. Das Taj Mahal haben wir uns gegen Abend zusammen mit geschätzten 5000 anderen Touristen angesehen. Und trotz dieses Umstandes und der Tatsache, dass man das Taj schon zigmal auf Bildern gesehen hat, war die Wirkung einzigartig. Die symmetrische Form macht es zu einer sprichwörtlichen Augenweide. Die Anziehungskraft bleibt von fast jedem Blickwinkel aus unverändert und nur sehr schwer kann man den Blick vom Taj abwenden und sich die nicht minder eindrucksvollen Moscheen anschauen, die links und rechts auf das Mausoleum blicken. Hier wurde der Symmetriegedanke aber vielleicht etwas zu weit getrieben, denn jede Mosche muss nach Mekka ausgerichtet sein, was den rechten Zwillingsbau zur reinen Zierde werden lässt. Wir haben uns dem allgemeinen Druck hingegeben und uns, wie fast 99% der Besucher auch, schön vor dem Taj stehend fotografiert. Für uns dienen die Bilder als Erinnerung. Um das Taj zu „erfahren“, muss man aber selbst hinfahren. Die zehn Euro Eintritt lohnen!

Pushkar ist ein sehr ruhiger Ort. Durch seine, wie auch immer geartete Heiligkeit, findet man (wenn man sich nicht all zu sehr anstrengt) weder Fleisch noch Alkohol. Um elf Uhr abends werden die nicht vorhandenen Bordsteine kollektiv hochgeklappt und zur selben Zeit auch die Beleuchtung in den zahlreichen Restaurants ausgeschaltet. Wir mussten bereits zwei Schachspiele deswegen beenden. Der Ort ist relativ stark touristisch geprägt. Das Nivea von Kajuraho – in dem man keinen Schritt auf der Straße ohne eine indische Begleitperson machen konnte – wird hier jedoch nicht erreicht. Trotzdem habe ich schon wieder fast fünf Euro für eine heilige Puja (Segnung am Wasser des jetzt leider fast ausgetrockneten Sees), eine dilettantische Hennazeichnung und eine CD mit traditioneller rajastanischer Musik ausgegeben. Letztere Investition hat sich aber gelohnt, wie wir vorgestern erfahren durften. Wir tun hier nicht viel, außer die Gegend mit unseren Rollern zu erkunden und jeden Tag fürstlich zu speisen. Gestern haben wir uns von einem israelischen Pärchen auf Backpacker-Hochzeitsreise in die Tiefen der israelischen Küche führen lassen. Eine wichtige Erkenntnis: Reisen lohnt allein fürs Essen schon. Bin in dieser Hinsicht schon sehr auf Thailand gespannt, denn Fleisch und Fisch sind hier in Indien doch eher selten. Entweder es gibt „pure-Veg“ oder ein trockenes Stück Chicken im Essen. Mir ist sehr nach Kuh und Schwein…

Posted 8 years, 1 month ago at 10:06.

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5 Tage Varanasi

Die bislang beste Erfahrung mit indischen Großstädten habe ich ohne Zweifel hier in Varanasi gemacht. Trotz der über 2 Millionen Menschen, die hier am Ganges leben, besitzt die Stadt ein fast schon kleinstädtiges Flair. Was genau die Faszination ausmacht, vermag ich nicht zu erklären. Selbst einhundert Seiten Beschreibung können fünf Sekunden eigenen Eindrucks nicht ersetzen. Was sofort ins Auge sticht, wenn der Blick erst ein wenig geschärft ist, sind die hinduistischen Tempel, die an fast jeder Ecke zu finden sind. Meist sehe diese aus wie kleine Hinterhöfe, die von Mauern oder Zäunen umgrenzt sind. Den einzigen Hinweis auf den religiösen Zweck liefern dann nur ein paar Zierblumen oder versteckte Statuen. Über 1000 Stück solcher Minitempel soll es in der Stadt geben. Die meisten davon in der Altstadt, inmitten des typisch indischen Mix von Straßenständen für Tee, Essen, Getränke, Paan , Seide und Süßigkeiten. Die Straßen hier sind eng verwinkelt, so klein, dass nur ein paar Motorräder sich durch die Menschen, Kühe und Hunde zu zwängen versuchen. Das Straßenbild erinnert mich irgendwie an das toskanischer Altstädte und ist zugleich doch völlig verschieden.

Die Religion ist nicht nur durch die Tempel im Stadtbild verwurzelt. Auch der Großteil der Menschen, die man hier zu Gesicht bekommt, besucht die Stadt aus religiösen Gründen. Ein Bad im heiligen Fluss und ein Besuch des goldenen Tempels, der von uns leider nicht betreten werden darf, sind Gründe für den Besuch der Stadt. Ein anderer ist der Tod. Alte Menschen kommen zu Hunderten, um hier in den unzähligen Hospizen auf den Tod zu warten. Stirbt man innerhalb der Stadtgrenzen, so darf man auf eine Verbrennung am heiligen Fluss hoffen. Der Hintergrund ist eine Art Reinigung der Seele. Durch das Feuer, welches aus heiligen Stätten an den Ghats kommt, wird der Mensch von seinen Sünden gereinigt und seiner Seele so der Weg ins Nirvana eröffnet. Für diesen Zweck kommen auch wohlhabender Inder von weit her in die Stadt. Sie bezahlen Unsummen für edles Holz, das für die Verbrennung verwendet wird. Holzhändler in den Gassen bieten Scheite für mehrere hundert Euro das Kilo an. Bei 350 Kilo, die für eine Einäscherung benötigt werden, kann man sich die Kosten vorstellen, die mit diesem Akt verbunden sind.

Unsere Abreise nach Agra haben wir um einen Tag nach hinten verlegt, da wir das Festival of Light, welches gestern gefeiert wurde, nicht verpassen wollten. Die ganze Stadt schien sich nach Sonnenuntergang an den Ghats zu versammeln. Die paar Bilder, die ich gemacht habe, können nur ansatzweise vermittelt, was dort abging. Die Verbrennungen jedoch wurden auch während der Feierlichkeiten nicht ausgesetzt. Die Menschen und die Musik, die überall aus uralt Lautsprechern plärrte, schien die Trauernden nicht abzuhalten…

Posted 8 years, 1 month ago at 09:59.

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